Ein großartiges Reformpapier der „Expert/innengruppe Schulverwaltung“ könnte die verfahrene Bildungsreform wieder flottmachen. Wenn die Regierung das will.

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„Hilf mir, es selbst zu tun“: So lautet der wichtigste Grundsatz der Montessori-Pädagogik. Montessori-Methoden sind keine alternative Spinnerei mehr, sondern längst im Mainstream angekommen. Ihnen liegt eine bahnbrechende Erkenntnis zu Grunde: Was man sich selbst erarbeitet, lernt man am besten. Es bringt nichts, Kindern von oben Bildung mit dem Trichter hineinzustopfen. Das frustriert sie, macht sie bockig und lässt sie auf Abwehr schalten. Besser, man vertraut auf ihre Neugier, lässt sie selbst Verantwortung übernehmen und Entscheidungen treffen. Man sorgt als Lehrerin für eine faire, wertschätzende Umgebung, das richtige Lernmaterial, und steht den Kindern zur Seite, wenn sie Hilfe brauchen.
Was für Kinder richtig ist, kann für Schulen nicht falsch sein. Womöglich ist es ja auch bei ihnen so: Man arbeitet am besten selbstbestimmt. Es bringt nichts, Schulen von oben den Alltag bis ins kleinste Detail vorzuschreiben, das frustriert Lehrer und Lehrerinnen, macht sie bockig und lässt sie auf Abwehr schalten. Besser, man vertraut auf ihre Neugier, lässt sie selbst Verantwortung übernehmen und Entscheidungen treffen. Der Staat sorgt für eine faire, wertschätzende Umgebung, stellt Ressourcen zur Verfügung und muss da sein, wenn eine Schule Hilfe braucht.
In ebendiese Richtung geht das Reformpapier „Freiraum für Österreichs Schulen“, das von der „Expert/innengruppe Schulverwaltung“ vorgelegt wurde. Man hat zwar mitterweile den Überblick über die verschiedenen Reform- und Verhandlungskommissionen verloren, in denen sich unsere Bildungspolitik verheddert hat – aber dieses Papier könnte den verfahrenen Karren wieder flottmachen.
Das wichtigste Wort darin ist: Autonomie. Befreit die Schulen aus dem Korsett der 50-Minuten-Stunden und vollgestopften Lehrpläne. Hört auf, ihnen das Personal von oben zuzuteilen, und befreit sie von den tausend Vorschriften, die sie dran hindern, im Klassenzimmer ein Regal zu montieren, beim MediaMarkt einen günstigen Laptop zu kaufen oder einen spontanen Ausflug zu machen. Lasst sie ihre Leute selbst aussuchen –Sekretäre, Psychologinnen, Sozialarbeiter, externe Lektorinnen – sie wissen am besten, wen sie brauchen. Lasst sie Klassen und Unterricht so einteilen, wie sie es für richtig halten – seien es jahrgangsübergreifende Kurse, Kleingruppenunterricht, individuelles Arbeiten (oder auch Projekte, die ein ganzes Semester dauern und im Wald stattfinden). Einziges Ziel ist: Dass am Ende objektiv messbare Bildungsziele erfüllt werden. Und dass kein Kind das Schulsystem verlässt, ohne ein Minimum davon erreicht zu haben.
Und wenn eine Schule das nicht schafft? Dann nimmt man wieder Anleihen bei der Montessori-Pädagogik. Dann wird die Schule nicht beschämt, gemieden und an den Pranger gestellt. Sondern kriegt besondere Aufmerksamkeit und Hilfe. Was ist es, das euch an guten Leistungen hindert? Welche Art Unterstützung können wir euch geben? Vielleicht ist der Standort besonder schwierig – dann braucht er das beste Personal, die meisten Ressourcen. Vielleicht fehlen spezielle Kenntnisse – dann könnt ihr euch weiterbilden. Vielleicht ist die Direktion ungeeignet – dann soll es eine andere versuchen.
Wer Verantwortung trägt, hat keine Ausreden mehr, von der Sorte: Wir wüssten ja, wies geht, aber wir dürfen nicht, weil die da oben lassen uns nicht. Wer selbst entscheidet, kann sich nicht mehr dauerempören über die falschen Entscheidungen anderer. Wir, die Allgemeinheit, wären damit schlagartig das Klagen, Jammern, Blockieren und Trotzen los, das seit Jahrzehnten das unangenehme Begleitgeräusch jeder Bildungsreformdebatte bildet.
Versuchen wirs einmal andersherum. Womöglich blüht die Lehrerschaft auf, fasst Selbstvertrauen, wenn sie eigenständig etwas entwickeln kann – wie Schulkinder, denen man endlich etwas zutraut. Zeigt, was in euch steckt! Wir glauben an euch!

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