Gedichte und Schokolade sind okay. Aber mit anderen Dingen könnte man Müttern eine noch viel größere Freude machen. Eine subjektve Wunschliste.

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1. Weniger loben, mehr tun. „Super, wie du das schaffst!“, „Toll, dass du das alles immer ganz allein hinkriegst!“: So großherzig solches Lob klingt, so eigennützig ist es. Denn Lob soll die gelobte Person dazu bringen, stets weiterzumachen wie bisher – statt auf die Idee zu kommen, eine andere Aufgabenteilung zu verhandeln. Womöglich mag eine Mutter gar nicht „immer alles schaffen“? Vor allem nicht „ganz allein“?
2. Auf dem Boden bleiben. Mutter sein ist etwas ziemlich Normales. Es hat nichts Mystisches, Tranzendentales; man braucht dafür weder besondere Gene noch übermenschliches Talent. Alles, was Mütter tun, haben auch sie erst lernen müssen. Und alles (okay: alles außer Gebären), kann auch jeder andere Mensch lernen, der mit Kindern lebt. Lässt man die ideologische Überhöhung der Mutter weg, entfallen mit einem Schlag sämtliche Gründe, ihnen bestimmte Aufgaben exklusiv zu übertragen.
3. Nicht zu viele Opfer verlangen. Es ist ein ideologische Falle, die das Patriarchat für Frauen aufgestellt hat, und sie tappen in jeder Generation wieder gern hinein: Die Behauptung, die Qualität einer Mutter ließe sich daran messen, wie sehr sie sich aufopfert. Je größer der Verzicht, je mehr Selbstaufgabe und Leiden, umso mehr beweist man, wie sehr man seine Kinder liebt: Das ist eine Lüge. Es ist psychologisch verheerend für alle Beteiligten, die Kinder inklusive. Denn was ist schlimmer, als mit einer Mutter aufzuwachsen, die einem latent stets vorwirft, was sie sich alles versagt?
4. Klischees vermeiden. Die Bilder sind allgegenwärtig: In der Werbung geht Familienglück stets mit duftender Wäsche, Apfelkuchen und sauberen, geschneuzten Kindern einher. Oja, Familienglück gibt es, aber es passiert meistens in Momenten, die anders ausschauen. Die Klischees jedoch erzeugen doppeltes Unglück: Wenn die Wäscheberge stinken, der Apfekuchen anbrennt und Kinder Rotznasen haben, kriegt man das Gefühl, man hätte persönlich versagt. Wenn äußerlich alles perfekt dem Klischee entspricht, und man dennoch kein Glück verspürt, ebenso. Letzteres ist wohl noch schlimmer.
5. Sehen Sie Mütter nicht ausschließlich als Mütter. Und tun Sie nicht so, als hätte die Mutterschaft aus ihnen eine andere Sorte Mensch gemacht. Niemand gibt im Kreißsaal seinen Charakter ab, ebensowenig seine Talente, Abneigungen oder seinen Sinn für Humor. Selbstverständlich verändern sich einige Lebensumstände und Alltagsgewohnheiten, wenn man Kinder hat. Vieles wird intensiver. Aber das bisherige Leben, samt aller Spuren, wird damit nicht über Nacht ausradiert. Die gute Nachricht: Man kann mit Müttern deswegen über alles reden – nicht bloß über Kinder.
6. Nehmen Sie eine Frau, wenn sie Mutter wird, deswegen nicht ernster oder weniger ernst als vorher. Beides ist unfair. Es signalisiert entweder: Dass eine Frau in Ihren Augen erst durch Fortpflanzung zum vollwertigen Menschen wird und erst dann ihre Daseinsberechtigung erfüllt. Oder, umgekehrt: Dass sie in Ihren Augen nun in einer Hormonwolke verlorengegangen – und intellektuell nicht mehr satisfaktionsfähig ist. Beides ist Unsinn.
7. Machen Sie Vaterschaft zum Thema. Fragen Sie Buben, wie sie sich ihr Leben mit Kindern vorstellen. Fragen Sie werdende Väter, was sie an ihrer Arbeitssituation ändern werden und welches Teilzeitmodell für sie passt. Fragen Sie Väter nach ihren Erfahrungen mit Breirezepten, Kinderärzten und Gummistiefeln, und nehmen Sie ihre Expertise dazu ernst. Fragen Sie Väter, wie sie das alles schaffen, und loben Sie sie dafür. Machen Sie die Vereinbarkeitsfrage zwischen Familie und Lohnarbeit konsequent an Männern fest – in der Politik, in Ihrem Unternehmen, in der Schule, ebensowie in Ihrem ganz privaten Umfeld. Nehmen Sie Männer in die Verantwortung für Kinder. Und lassen sie nicht mehr aus.
Wahrscheinlich ist Müttern damit am allermeisten geholfen.

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