„High Net-Worth Individals“ werden die globalen Superreichen in den Panama-Papieren genannt. Sie glauben, in einer eigenen Liga zu spielen, weil sie etwas Besseres sind.

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Es geht, zur Abwechslung, um Flüchtlinge, die unserem Land wirklich schweren Schaden zufügen. Um Flüchtlinge, die hemmungslos die Staatskassen plündern; die sich standhaft weigern, sich in unser Gemeinwesen zu integrieren; die öffentliche Leistungen konsumieren, ohne dafür ihren fairen Beitrag zu leisten, und damit den gesellschaftlichen Zusammenhalt gefährden. Es geht um Steuerflüchtlinge.

Dank den „Panama Papers“ – und den Recherchen von „Süddeutscher Zeitung“, ORF, „Falter“ und weiteren renommierten Redaktionen in aller Welt – kriegen wir nun eine Ahnung davon, wie das geht: Geld verstecken. Vermögen unsichtbar machen. Einkünfte aus dubiosen Quellen weißwaschen. Bei „Mossack Fonseca“- und bei wohl hunderten ähnlichen Gesellschaften in anderen Steueroasen – kriegen Superreiche ihre Offshore-Firmen maßgeschneidert, samt Briefkastenadressen, Treuhändern und sonstigem Tralala, mit einem Hauptzweck: sich gesetztlichen Verpflichtungen zu entziehen.

Im internen Schriftverkehr der „Mossack Fonseca“ werden die Kunden zärtlich „HNWI“ genannt, „High Net-Worth Individuals“. Sie müssen bei Laune gehalten werden. Doch je mehr man sich einliest in die Details dazu, desto drängender wird die Frage: Was treibt diese HNWIs an? Warum tun sie, was sie tun?

Not oder Angst kann es ja – anders als bei Kriegs- oder Wirtschaftsflüchtlingen – nicht sein. HNWIs haben alles, was sie haben wollen – Villen, Pferde, Yachten, Flugzeuge -, und was ihnen fehlt, können sie sich jederzeit kaufen. Welchen Mehrwert bringt es, von allem noch zehnmal mehr zu haben? Zumal man die Früchte des Reichtums gar nicht ernten kann, solange dieser in Firmenanteilen auf den Jungferninseln steckt? Eitelkeit wäre ein mögliches Motiv. Die brennende Bewunderung anderer spüren zu wollen, die neidigen Blicke. Der Vorstadtstrizzi, der mit seinem gepimpten Sportwagen vorfährt, kann diese Befriedigung voll auskosten. HNWIs allerdings nicht. Denn öffentlich angeben kann man mit geheimem Geld auf geheimen Treuhandkonten nicht.

Machtgier? Die kann ebenfalls stark sein. Doch gerade bei den zwölf gegenwärtigen und ehemaligen Regierungschefs, die sich bisher in den Panama-Papieren fanden, erscheint dieses Motiv paradox. Regieren will man man ja, weil man etwas nach dem eigenen Willen formen, sich in die Geschichte einschreiben will – im positiven oder im negativen Sinn. Wladimir Putin etwa merkt man deutlich an, dass er es auf Größe und Bewunderung abgesehen hat. Und das alles setzt so einer aufs Spiel, um ein paar hundert zusätzliche Millionen auf die Seite zu schaffen?

Nein, es muss noch etwas anderes sein, das die Offshore-Spielchen der HNWIs antreibt: Überheblichkeit. Das Gefühl, etwas Besonderes zu sein, anders als die gewöhnlichen, normalen Staatsbürger. Samt der Überzeugung, deswegen nach eigenen Regeln spielen zu dürfen.

Der Staat, samt seinen Behörden und Gesetzen – das ist in den Augen der HNWIs etwas für Verlierer. Für Leute, die’s nötig haben. Mit einer Mischung aus Mitleid und Verachtung blicken die Superreichen auf die engen Staatsgrenzen, von denen sich die Armen einschränken lassen. Auf die maroden Staatskassen, ächzend befüllt von den Beladenen, und trotzdem chronisch leer. Auf die mühsam auszufülenden Steuerformulare, mit denen sich dumme Kleinuternehmer abquälen. Auf die Steuerfahnder in schlechtsitzenden Anzügen, auf Staatsanwälte mit lächerlichen Fixgehältern von ein paar tausend Euro. Nicht mal ein Ticket in der Business Class können die sich leisten, geschweige denn ein eigenes Flugzeug. Von denen soll man sich etwas sagen lassen? Wie kann man die denn ernst nehmen?

Was für alle gilt, gilt nicht für mich. Ich bin niemandem etwas schuldig, auch keine Rechenschaft: So in etwa darf man sich das Selbstbild der HNWIs vorstellen. Hoffentlich kommen sie damit nicht mehr lange durch.

 

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