Eine Replik im Falter

Kinderbetreuung am Land ist teuer. Soweit stimmt die Diagnose aus Falter 15/16. Allerdings wurde sie anhand einer Rechung erstellt, die nicht aufgeht. Deshalb hier eine Korrektur.

Man hört die Rechnung in Österreich häufig. Sie geht so: Ein Vater verdient (in Vollzeit) 2000€, die Mutter (halbtags) 800€. Der Kindergarten kostet 400€. Weil von ihrem Verdienst dann bloß 400 Euro übrig blieben, bleibt sie lieber zu Hause. Denn Arbeiten „zahlt sich ja gar nicht aus“.

Das erste Problem an diese Rechnung ist der Automatismus, mit dem die Kinderbetreuungskosten automatisch mit dem Gehalt der Mutter gegengerechnet werden. Warum denn? Weil das Kind nur einen Elternteil hat? Weil Vaters Geld ihm allein gehört? Weil Kinderbetreuung ureigene Aufgabe der Mutter ist? Logischer wäre doch eher, dass die 400€ vom Konto des Vaters abgehen – denn sie leistet „ihre“ Hälfte ja ohnehin in Natura, indem sie ihre Arbeitszeit reduziert. Und schon schaut das Ergebnis freundlicher aus: 1600 bringt er ein, 800 sie. Für die Familienkassa mag das keinen Unterschied machen – wohl aber psychologisch.

Selbst wenn wir aber das gemeinsame Familieneinkommen hernehmen, geht die Rechnung nicht auf. Denn der Artikel zeichnet ja das Bild einer genervten Mutter, die lieber im Büro wäre als am Spielplatz – und eines gelangweilten Kindes, das lieber im Kindergarten wäre als bei einer genervten Mutter. Selbst wenn also ihre Berufstätigkeit der Familie finanziell überhaupt keinen Vorteil brächte – welchen logischen Grund gibt es, in einem Zustand zu verharren, der keinem der Beteiligten Freude macht?

Apropos Freude. Der sicherste Weg, diese längerfristig zu bewahren, stand in dieser Familie offenbar keine Sekunde zur Debatte. Er ginge so: Er arbeitet 75% (1500€), sie ebenfalls (1200€), ergibt, minus Kindergarten, 2300€. Das Minus von 100€ im Vergleich zur Anfangskonstellation würde mehr als wettgemacht durch zwei wesentliche Investitionen ins Familienglück: Erstens die feste Verankerung beider Elternteile im Beruf (inklusive intakter Aufstiegschancen für beide, und weniger Angst vor Jobverlust). Plus, zweitens, der Chance auf gleichberechtigte Elternschaft.

Geht nicht am Land? Gibt’s nicht? Da haben wir noch nie drüber nachgedacht? Dann wird’s aber höchste Zeit. Nicht nur in Niederösterreich, auch im Falter.

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