Ein Publikum, das für Medien nicht mehr zahlen will, wacht mit Medien auf, die andere ihm bereitwillig schenken. Trump und Putin freuen sich sehr darüber.

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Den österreichischen Medien geht es nicht gut. Allen voran dem ORF. Die Kronen Zeitung war mit einer mehrmonatigen Kampagne gegen eine geplante Gebührenerhöhung erfolgreich; gleichzeitig mobilisieren die NEOs, die den ORF privatisieren wollen. Was von alldem hängen bleibt: Öffentlich-rechtliches Fernsehen und Radio sei „zu teuer“, „Geldverschwendung“ -„brauchen wir nicht“.

Den Printmedien geht es nicht besser; vor allem jenen, die ihre Produkte verkaufen. Mehrere Zeitungen haben in den letzten Jahren zugesperrt, fast alle Verlage bauen Personal ab, bei manchen ist der Kahlschlag so massiv, dass man mit den verbleibenden Ressourcen kaum noch ein Produkt herstellen kann, das der Rede wert ist. Nachgeweint hat diesem Verlust kaum jemand. Für Information und Unterhaltung bezahlen? Ist doch nicht notwendig. Gibts doch alles irgendwo gratis. Oder es kommt irgendwas anderes nach.

Nun – was nachkommt, zeichnet sich mittlerweile deutlich ab. Es kommt: Unterhaltung und Information, die von Lobbies, Unternehmen und Parteien gemacht wird. Um Produkte zu verkaufen, um Interessen einzelner Gruppen durchzusetzen, oder einfach, um Politik zu machen. Es kommen: Breitbart News und Russia Today. Das eine aus dem Hause Trump, das andere aus dem Hause Putin. Beide gespeist aus reichen finanziellen Quellen, die so lange sprudeln werden, wie es den Machthabern genehm ist. Beide unangekränkelt von allem, was man journalistische Ethik nennt. Beide besessen von denselben Feinbildern: Liberalismus, kulturelle Vielfalt, „Establishment“, Menschenrechte, Globalisierung. Beide beseelt von der Lust, zu zündeln, Misstrauen zu säen und Halbwahrheiten zu verbreiten – denn je größer die Zwietracht, desto besser für autoritäre Regerierungen. Beide Nachrichtenportale sind nun wild entschlossen, auch den deutschsprachigen Markt zu erobern.

„Russia Today“ ist auf deutsch ja schon seit 2104 präsent. Der regelmäßig Konsum von RT erzeugt ein recht verzerrtes Weltbild: Westeuropa erscheint da als elender Kontinent, zerrissen von Chaos, Gewalt und permanenter Krise, während sich Russland als Hort von Stabilität, Kultur, Wohlstand und Ordnung präsentiert (was bisweilen frappant an die Selbstdarstellung der einstigen Sowjetunion erinnert). So absurd das angesichts der gegenwärtigen Verhältnisse in Russland scheint, das Ziel ist offensichtlich: Das westlich-liberale Lebensmodell soll diffamiert, die europäischen Eliten diskreditiert und die EU-Institutionen geschwächt werden. Was Putin-Russland und Trump-Amerika nur nützen kann.

Denn „Breitbart News“ steuert, von Westen her, einen ganz ähnlichen  Kurs. Steve Bannon, der das Nachrichtenportal vor zehn Jahren übernahm und auf aggressiven Expansionskurs brachte, ist ein schillernder Typ: Erst war er Marineoffizier auf einem Zerstörer, dann Investmentbanker bei Goldman Sachs, Filmproduzent in Hollywood, später zog er als Agitator durch die USA, um den Aufstand „gegen die Mächtigen“ zu predigen. Bis ihn Donald Trump erst zu seinem Wahlkampfmanager, und nun, als Präsident, zu seinem Chefstrategen machte, mit Büro im Weißen Haus und direktem Zugang zum Oval Office.

In den USA ist „Breitbart“ das Sprachrohr der „Alt-Right“-Bewegung, wie sich die Hardcore-Nationalisten neuerdings nennen. In Europa, sagt man ganz offen, will man die rechtpopulistischen Parteien unterstützen. In London ist das bereits gelungen, indem „Breitbart“ monatelang massiv für den Brexit Stimmung machte. Der deutschsprachige Dienst soll demnächst starten, die AfD freut sich bereits. „Unser Kampf wird hart, lang und dreckig sein“, sagt Bannon.

Wir werden also künftig von Ost und West in Stereo beschallt, mit Gratis-Propaganda und gezielter politischer Desinformation.  Das wird nicht lustig in Europa. Wir würden echte Medien brauchen, um dem etwas entgegenzusetzen. Wie schade, dass wir eben dabei sind, genau diese kaputtzumachen.

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