Die Bundesregierung hat sich eine raffinierte Inszenierung ausgedacht. Hier ist das Drehbuch, an das sich bisher alle penibel halten.

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Sie sagen: „Islam! Bedrohung! Moscheen! Beten ist verdächtig! Ramadan ist verdächtig! Fasten ist verdächtig! Fasten in der Schule verbieten! Schweinefleischverzehr für Erntehelfer anordnen! Moscheen schließen, egal welche! Wir müssen unsere Wähler mehrmals täglich dran erinnern, wie gefährlich der Islam für ihr tägliches Wohlbefinden ist!“

(Inzwischen beschließen sie, die erlaubte Arbeitszeit zu erhöhen, auf bis zu zwölf Stunden täglich, und bis zu sechzig Stunden pro Woche. Und zwar nicht speziell für Muslime, sondern für alle Arbeitnehmer. Treffen wird dieses Gesetz alle, die zu schwach sind, um ihren Chefs zu widersprechen. Hart arbeitende Menschen, die Angst haben, ihren Job zu verlieren. Das sind dieselben, die die FPÖ gern „die kleinen Leute“ nennt. Viele von ihnen haben FPÖ gewählt, weil sie meinten, es würde ihnen besser gehen, wenn die Regierung etwas gegen den Islam tut. Stattdessen bekommen sie jetzt mehr Arbeit, mehr Stress, und fallen um ihre Überstundenzuschläge um.)

Sie sagen: „Flüchtlinge! Bedrohung! Ansturm! Balkanroute schließen! Neue Balkanrouten schließen! Grenzen schließen! Manöver in Spielfeld! Zäune! Panzer! Polizeipferde! Wir müssen unsere Wähler mehrmals täglich dran erinnern, wie sehr Flüchtlinge ihre Sicherheit bedrohen!“

(Inzwischen beschließen sie die Entfernung politisch missliebiger Personen im Bundsamt für Verfassungsschutz, ordnen nachts Hausdurchsuchungen an, gehen dabei mit überschießender Härte vor, schüchtern korrekt arbeitende Beamte ein, schüren Intrigen, behindern Ermittlungen gegen Neonazis, geben heikle Daten preis, und gefährden damit die Sicherheit des Landes, ganz ohne mulimisches Zutun.)

Sie sagen: „Muslimische Männer! Bedrohung! Sexuelle Gewalt! Der frauenverachtende Islam! Die Frauenunterdrückung in arabischen Ländern! Burka verbieten! Koptuch verbieten! Burkini verbieten! Zwangweise anziehen! Zwangsweise ausziehen! Wir müssen unsere Wählerinnnen mehrmals täglich dran erinnern, wie gefährlich der Islam für sie ist!“

(Inzwischen kürzen sie die Mittel für Frauen- und Mädchenberatungsstellen im ganzen Land. Die FPÖ lehnt Subventionen für Frauenhäuser ab, weil sie Gewaltschutzeinrichtungen für die „Zerstörung von Familien“ verantwortlich macht. In Oberösterreich schaffen sie die kostenfreie Nachmittagsbetreuung im Kindergarten ab, was Familien vor akute Vereinbarkeitsprobleme stellt. Viele Frauen haben die Regierungsparteien gewählt, weil sie sich vor dem Islam fürchten. An den Problemen, vor denen sie jetzt stehen, ist der Islam jedoch unbeteiligt.)

Sie sagen: „Wir sind zu großzügig zu Flüchtlingen! Flüchtlinge leben auf unsere Kosten! Tschetschenen, Afghanen, Syrer, Muslime allesamt, bekommen zu viel Geld! Man muss ihnen etwas wegnehmen! Kürzen! Noch mehr kürzen! Je weniger Geld Flüchtlinge kriegen, desto gerechter! Es ist wichtig, unsere Wähler mehrmals täglich dran zu erinnern, wie viel ihnen die Flüchtlinge wegnehmen!“

(Inzwischen beschließen sie eine Reform der Mindestsischerung, die nicht nur Flüchtlinge treffen wird, sondern alle armen Menschen im Land. Kinderreiche Famlien, Alleinerzieherinnen mit mehreren Kindern werden künftig mit spürbar weniger Geld auskommen müssen als bisher. Es wird Bezieher von Mindestsicherung und Notstandshilfe treffen; Menschen mit körperlichen oder psychischen Problemen; Arbeitsunfähige, Ausgebrannte, Abgehängte, Verzagte. Jene Menschen also, die die FPÖ gern die „kleinen Leute“ nennt. Viele von denen haben FPÖ gewählt, weil sie meinten, es würde ihnen besser gehen, wenn die Regierung Flüchtlingen, Ausländern, Muslimen etwas wegnimmt. Auch das war ein Irrtum: Jetzt zahlen sie selber drauf.)

Bisher funktioniert die Inszenierung der Regierung. Noch starrt das Publikum gebannt auf die Bühne, auf der mit großem Getöse das Anti-Islam-Stück aufgeführt wird. Wie lange es wohl dauert, bis es merkt, was sich dahinter abspielt?

 

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