Unterschreiben Sie das Frauenvolksbegehren! Auch wenn Sie nicht jeder einzelnen seiner Forderungen hundertprozentig zustimmen.

presse-kolumne

Irgendwas ist immer – speziell bei Frauen. Irgendwas ist immer nicht gut genug, nicht hundertprozent passend, irgendwas findet sich immer, das man kritisieren kann.

Das beginnt schon in der Schule. Schon möglich, dass das Mädchen A. gute Noten auf die Schularbeiten schreibt und immer konstruktiv mitarbeitet. Das nennt man dann „fleißig“. Aber um die Herzen der Lehrer und Lehrerinnen zu gewinnen, um als richtig großes Talent erkannt und gefördert zu werden – dafür ist A. immer noch nicht gut genug.

Oder in der Arbeitswelt. Da hat Frau B. einen tadellosen Lebenslauf, bringt die geforderten Zeugnisse mit – aber fehlt ihr nicht noch ein bisschen Auslandserfahrung? Die Zusatzqualifikation xy? Oder bloß das gewisse Etwas, das man jetzt gar nicht so genau in Worte fassen kann? Strebt Frau C. gar eine verantwortungsvolle Führungsfunktion an, wird es noch komplizierter. Ist sie eloquent und selbstbewusst, ist sie womöglich „zu eitel“. Ist sie zielstrebig und sozial geschickt, wird ihr das als „berechnend“ angekreidet. Ist sie erfahren, ist sie „zu alt“; „zu jung“ und „zu unerfahren“ geht aber natürlich genausowenig. Wie auch immer C. ist – ideal für alle ist sie nie.

Diese Unerbittlichkeit bei der Beurteilung ist über die Jahrhunderte so sehr ins Bewusstsein eingesickert, dass Frauen sie leider viel zu häufig auch sich selbst gegenüber anwenden. Jede von uns kennt das, wenn sie vor dem Spiegel steht: Die Haare und die Nase und das Kinn mögen ja ganz in Ordnung sein – aber die Ohren! Solange es an den Ohren etwas auszusetzen gibt, wird man sich über den ansehnlichen Rest nie richtig freuen können. Oder, wenn es um die Kinder geht: So gut man das auch hingekriegt hat mit Job und Familie, und so prächtig sich die Kinder auch entwickeln mögen – irgendein kleines Versagen, das einem ein permanentes schlechtes Gewissen macht, findet sich garantiert.

Wird ein Mann ersucht, seine Meinung zu einem x-beliebigen Thema öffentlich kundzutun, wird er sich geehrt fühlen und antworten. Eine Frau hingegen wird zurückfragen: Wieso sind Sie denn da ausgerechnet auf mich gekommen? Sie wird zögern. Überlegen, ob sie wirklich etwas Neues zu sagen hat, ob ihre Expertise hundertprozentig zur Fragestellung passt, und es werden ihr garantiert drei, vier Leute einfallen, die sich mit dem Thema noch gründlicher beschäftigt haben als sie.

Was immer Frauen tun: Perfekt ist es nie. Perfektion ist jedoch das mindeste, das man von einer Frau erwartet. Während bei der Beurteilung von Männern das Mittelmaß oft völlig ausreichend ist.

Ein ähnliches perfides Muster kann man in dieser Woche beobachten, in der das Frauenvolksbegehren zur Unterschrift aufliegt. Um neun wichtige Forderungen geht es da, mit allesamt demselben großen Ziel: der gerechteren Aufteilung von Arbeit, Aufgaben, Macht und Geld in unserer Gesellschaft. Insgesamt 33 gut durchdachte und wohl argumentierte Detailforderungen wurden dazu formuliert.

Klar ist, dass jedem Bürger und jeder Bürgerin dieses Landes unter den 33 Unterpunkten einer auffallen wird, den ihm oder ihr missfällt. Der eine stößt sich am Fernziel der 30-Stunden-Woche. Die andere an der Forderung nach umfassender Sexualaufklärung und Verhütung. Wieder anderen geht es zu weit, dass nicht nur erniedrigende Werbung, sondern auch klischeehafte Geschlechterdarstellungen in Schulbüchern verboten werden sollen. Selbstverständlich kann man sich über diese Details prächtig in die Haare geraten, und das Volksbegehren deswegen in Bausch und Bogen ablehnen.

Man könnte es, zur Abwechslung, jedoch einmal mit einer anderen Taktik versuchen: Nicht die strittigen Details, sondern das Verbindende anschauen. Das große Ziel im Auge behalten, die Gleichberechtigung der Geschlechter. Und sich nicht erst bei hundertprozentiger Übereinstimmung solidarisch zeigen, sondern schon bei 85 oder 92 Prozent.

Ginge es um Männerrechte, wäre das allemal gut genug.

 

Getagged mit
 

One Response to Frauen müssen nicht perfekt sein. Gut ist gut genug.

  1. walter sagl sagt:

    Deutschland, einig Alphafrauenland
    Liebe Frauen,
    wir Männer könnten richtig neidisch werden! Die ganze Welt scheint sich nur noch um euch zu drehen. Gut, vielleicht nicht gleich die ganze. Aber doch tonangebende Teile von Mitteleuropa sowie des Staates Kalifornien und der Stadt New York.
    Zum letzten Weltfrauentag würdigte die „New York Times“ sogar eine Reihe von ziemlich toten Frauen. Darunter Ada (nicht Linda!) Lovelace, eine Mathematikerin. Es handelte sich durchweg um verdienstvolle Damen, die ungerechterweise keinen Nachruf im Weltblatt erhalten hatten, obschon sie nach Ansicht der gegenwärtigen NYT-Redaktion spätestens beim Hinscheiden einen kräftigen Tusch verdient hätten.
    Dass Frauen nun aber auch alles können, erfahren sie regelmäßig durch Fachmagazine wie die „Cosmopolitan“. Auf deren Titelblatt zum Beispiel eine Brünette in Hot Pans ein T-Shirt mit der Aufschrift „Girls can do anything“ trägt und ein „Undercover-Test“ angekündigt wird: „Wie leicht lassen sich fremde Männer zum Quickie überreden?“ StarkeFrau, das ist ja längst mehr als eine rhetorische Figur. Das ist eine bärinnenstarke Marke, wie PayPal oder KitKat.
    „Die Zeit der Alpha-Männer ist vorbei“, erklärte deshalb jüngst der CDU-Mann Dieter Wersich, welcher die Hamburger CDU als Spitzenkraft bei den Bürgerschaftswahlen von 2015 auf 16 Prozent der Stimmen dimmte (14 Jahre zuvor hatte sie 47 Prozent eingefahren). Folglich wünscht Omega-Mann Wersich sich nichts sehnlicher als eine weibliche Parteichefin mit Namen Kramp-Karrenbauer. Was die CDU jetzt brauche, seien „Brückenbauer“.
    Die Berliner Stadtreinigung wirbt unermüdlich
    Die paar Fälle, in denen frauliche Brückenbaupower im Ergebnis denn doch ein wenig zu wünschen übrig lässt (etwa bei Uschi von der Laientruppe oder bei der „Feministen-Ikone“ und demnächst wohl gewesenen Facebook-Chefin Sheryl Sandberg) können nicht über den Fakt hinweg täuschen, den Ina Deter bereits 1986 auf den G-Punkt brachte: Frauen kommen langsam aber gewaltig. Und seit es Einparkassistenten gibt, ist auch das letzte Bollwerk des Mackertums geknackt.
    Ohne Frauen, so hat es den Anschein, läuft praktisch nichts mehr. Außer womöglich in den MINT-Fächern, beim Schach, beim Angeln oder bei der Müllabfuhr. In letzterem Bereich könnte sich bald was ändern. Die Berliner Stadtreinigung wirbt unermüdlich um die allererste, sich hoffentlich bald zum Dienst meldende Müllwerkerin der Stadt („Planbare Arbeits- und Urlaubszeiten, Hilfe bei der Kinderbetreuung!“). Frauen werden der BSR demnächst gewiss die Bude einrennen.
    Der Mann hingegen kann im Grunde weg. Er ist nicht bloß überflüssig, er stört sogar beträchtlich. Veranstaltet Kriege, rast auf Breitreifen quietschend um Ecken, grabscht alles an, was nicht bei drei auf der Tanne ist. Wäre besser, er zöge sich von diesem Planeten zurück und besiedelte einen anderen. Solche Gedanken fallen unvermeidlich an, tut man sich nur einen Tag lang die volle Qualitätsmediendröhnung rein.
    Auf geht’s! Der Kaffee läuft noch durch, der Frühstücksspeck brutzelt in der Pfanne, da schwallt schon was mit Frauen aus dem Infosender. Nämlich, dass immer weniger von ihnen im Bundestag säßen. Daran tragen FDP und AfD die Schuld. Vermutlich deshalb, weil die gelben und blauen Populisten nicht genug Kandidatinnen zur Bundestagswahl aufgestellt haben, aber trotzdem in nicht unerheblichem Maße Stimmen absahnten. Merke: Demokratie ist gut, Frauenquote ist besser.
    Andauerndes Gequassel über Intimes
    Später ein Expertengespräch auf einer anderen Staatsfunkwelle. Es geht um „Freundschaft im digitalen Zeitalter“. Interessantes Thema, oder? Wie verändern Facebook, WhatsApp & Co. unseren Umgang miteinander? Doch scheint für einen Mann, zumal wenn er Soziologie oder Psychologie oder ähnlich Weichwolliges studiert hat, es fast unmöglich zu sein, sich nicht eher früher als später an Frauen ranzuwanzen.
    Der Experte hat herausgefunden, dass nur ein Drittel der Männer einen besten Freund hat! Aber zwei Drittel der Frauen eine beste Freundin besitzen. Zudem würden sich Männer viel seltener „intime Dinge“ beichten. Etwa die schwierige Beziehung zur Mutter oder Eheprobleme.
    Und worüber reden Männer, wenn sie an der Theke stehen? Fragt der Funk-Moderator, der wohl eher selten an Tresen verkehrt, seinen Fragen nach. Der Soziodingens erklärt, bei denen ginge es oft um Erfolg und so was. Weil Männer „rivalitätsgeneigt“ seien und gerne „prahlten“. Frauen dagegen, lobt er, gingen viel solidarischer miteinander um und hörten den Sorgen der anderen gern zu.
    Machos könnten natürlich andersrum argumentieren. Dass Männer sich eben lieber über Sport oder Politik oder Wirtschaft austauschen anstatt über ihre Seelenblähungen, und dass solche Konversation ganz okay sein kann. Weil andauerndes Gequassel über Intimes nicht zwingend Solidarität anzeigt, sondern manchmal nur Seelengaffertum.
    Doch das wird man aus einschlägigen Runden niemals hören. Nicht von einem Mann. Es wird noch die Rede davon sein, inwieweit der Frauen-Hype auch ein Männerprodukt ist.
    Der Moderator befragt zwei Verlegerinnen
    Weiter im Programm. Fast zeitgleich zur Freundschaftsdiskussion läuft auf einem staatlichen Kulturkanal ein Literaturmagazin. Schwerpunkt heute: das Thema „Frauen in Führungspositionen der Buchbranche.“ Der Moderator befragt zwei Verlegerinnen, die eine vom Aufbau-, die andere vom KiWi-Verlag. Allerdings weniger zu ihren Büchern als zu ihren fraulichen Karriereverläufen. Das ist, als würde man vom Hersteller einer französischen Käsespezialität vordringlich wissen wollen, wie er an die Käsefabrik gekommen ist und nicht, was seinen Käse so lecker macht. Den Spin des Beitrags dreht, wie gesagt, ein Mann.
    Zur Abwechslung mal auf „Spiegel online“ switchen? Bingo! Da findet jeden Tag eine Hauptversammlung von Frauenversteher*innen aller vorstellbaren Genders statt. Am rechten Rand des Portals flackert seit Wochen wie irre der Hashtag #frauenland. Im roten Spiegel-Rahmen wechseln sich da unheimlich starke Frauensbilder ab, von Angela Merkel über Sarah Wagenknecht bis hin zur einer chilischarfen Polizistin in Ledermontur, die wie eine Nachfolgerin von Jamie Lee Curtis in „Blue Steel“ rüberkommt. Teaserzeile: „100 Jahre Frauenwahlrecht, 1 Jahr #metoo – Wie modern ist Deutschland?“
    Das große „Gedöns“ (Gazprom-Gerd in seiner Zeit als Kanzler) um Frauen besorgen bei SpOn zum einen natürlich die Frauen selbst. Aber auch immer mehr Männer sind feministisch unterwegs. Zwar hat Georg Diez, einer der profiliertesten Frauen-Enganwanzer, sich vor einiger Zeit rätselhafterweise aus dem Kolumnistenstadl des Online-Spiegels verpieselt.
    Seine angetrocknete Schleimspur wurde zum Glück durch Christian Stöcker aufgefrischt. Dessen Logik zufolge wäre Voraussetzung für eine schönere Welt, dass allein Frauen das Wahlrecht zustände. Weil, „Frauen sind besser für die Demokratie – überall“.
    Seinen Leserinnen gibt Stöcker listig zu verstehen, dass er nicht zu jenen „Drecksäcken“ gehört, die „eine Politik der Rücksichtslosigkeit“ befördern: „Ich bin ja selbst ein weißer Mann, und ich finde mich ehrlich gesagt ganz nett.“ Vermutlich verliebt sich alle 11 Minuten eine Feministin in den Hamburger Kognitionspsychologen mit der strömungsgünstigen Haartracht. Was wir dem Krischan von ganzem Herzen gönnen würden.
    So gut wie jedes Thema wird irgendwann auf Frau gequält
    Am weitesten vorangeschritten bei der Feminisierung der Medienlandschaft ist die gute alte Tante „Zeit“. Früher ein Konvolut für bräsige Ohrensesselbesitzer, welche Theo Sommer und die Gräfin Dönhoff für geopolitische Bescheidwisser hielten, wird am Hamburger Speersort unter der Pflegschaft von Giovanni di Lorenzo so gut wie jedes Thema irgendwann auf Frau gequält. Nirgendwo sonst wird mit derart heiligem Ernst über „Gender-Forschung“ debattiert. Nur hier erhält weibliches Hadern, Hoffen und Streben in Gestalt ungezählter Gefühlslagemeldungen so viel Raum im Blatt.
    Glücklose Partnerschaften. Freud und Leid alleinerziehender Mütter. Frauen, gefangen im Körper eines Mannes. Kein Kummerkasten in der „Brigitte“ deckt Frauensorgen bunter und vielfältiger ab als die Zeit. Wehe, es kommt jemand auf den Gedanken, auch Frauen hätten vom Kuchen der Macht doch schon hier und da ein hübsches Stück abgegriffen! Der wird in der Zeit qua Historikerin belehrt, dass eine Merkel oder eine May noch lange keinen Frühling macht. Denn: „Macht ist männlich codiert, deshalb werden Frauen, die Macht haben, automatisch zu Männern.“ Ferner kriegt er ins Stammbuch geknallt: „In der westlichen Kultur ist die Unterdrückung der Frau fest verankert.“
    Fest verankert. In der westlichen Kultur. Keine Fake News. Das steht da wörtlich. Kann man nachlesen.
    Selbstredend wäre unser Streifzug durch die Welt des zeitgemäßen Minnesangs unvollständig ohne einen Blick in die „Taz“. Dort hat die lustvolle Unterwerfung unter jedes gendersternchenblöde Postulat Tradition. Sofern der Quark von Menschen stammt, welche garantiert nicht als männliche Heteros verdächtigt werden können.
    In einer Kolumne, die das kokette Rubrum „Eier“ trägt, sinnt ein Taz-Redakteur darüber nach, ob „dieses MeToo-Ding“ nur eine Bewegung sei oder, ey, „gar eine Revolution“. Zerknirscht wie in einem Moskauer Schauprozess räumt der Eiermann zunächst ein, dass er beim Ausbruch der Pranger-Pandemie im Jahre 2017 noch nicht „mutig“ genug war, zu erkennen, „dass #MeToo der Moment des frühen 21. Jahrhunderts sein würde, der einen weiteren Aspekt der männlichen Herrschaft demontiert.“
    Jetzt aber, ein Jahr später, wirft er den Verdammtinnen dieser Erde seine erlösende Prognose in den Schoß: „Es sieht gut aus.“ Mit der Revolution. Wirklich und echt jetzt: Solche Chosen treiben manch einen Deutschen um. Präziser, manchen Bio-Deutschen. Wir möchten die Eingebürgerten in dieser Causa keinesfalls unter Generalverdacht stellen.
    Im finsteren Trumpland haust ein Mann, der mit all dem wahrscheinlich wenig anzufangen weiß (Triggerwarnung: Schneeflöckchen wird davon abgeraten, die Homepage dieser Kreatur anzuklicken). Jack Donovan nennt sich „Maskulinist“ und wirkt optisch wie eine Kreuzung aus dem „Machete“-Darsteller Danny Trejo und dem Boss einer salvadorianischen Straßengang. Außerdem sei er, heißt es im Netz, sowohl schwul als auch rechtsextrem. Wir zitieren ihn hier trotzdem mal (nach einem Blog-Eintrag in der meist immer luziden „Acta diurna“ des berüchtigten Herrn Klonovsky):
    Wenn ein Mann mir versichert, er sei gegen Rassismus oder Sexismus oder Xenophobie oder Transphobie oder was auch immer gerade angesagt ist, dann ist alles, was ich sehe: Angst. Er hat Angst, seinen Job zu verlieren. Er hat Angst, seine Kunden zu verlieren. Er hat Angst, von der Schule geschmissen zu werden. Er hat Angst, von den Medien angeschwärzt zu werden. Er hat Angst, verklagt zu werden. Er hat Angst, sein Haus zu verlieren. Er hat Angst, seine Freundin oder Ehefrau zu verlieren. (…) Er kennt die Regeln und er hat gesehen, was mit denen passiert, die gegen sie verstoßen haben.
    Wo dieser amerikanische Kinderschreck recht hat, hat er recht. Finde ich. Deshalb ein Tipp, liebe ganz, halb oder gar nicht bewegten Frauen. Wenn gewisse Männer sich an euch ranfiezen wollen, vorgebend, sie seien eure Partisanen hinter den Fronten des ewigen Geschlechterkampfes: Haut den Typen dahin, wo’s weh tut.
    Schöne Grüße aus dem Hause #miregal!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.