Der Brexit ist nicht mehr aufhaltbar. Die Briten wollten es so. Die EU kommt schon auch ohne sie klar. Aber ach: Ein bisschen fehlen werden sie uns schon.

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Zum Beispiel: Cheddar. Roast Beef. Marmite. Panierte Mars-Riegel aus der Fritteuse. Scones. Dosenbohnen zum Frühstück. Tee mit Milch, und Shortbread dazu. Crisps mit Vinegar. Mit Fish and Chips im Auto sitzen, das Fett tropft einem auf den Schoß, und durch die Scheibenwischer hindurch aufs Meer starren, weil es in Strömen regnet.

Pimms, Pubs, Pints, Pies.

Alfred Hitchcock. Sherlock Holmes. James Bond und Miss Moneypenny. Emma Peel aus „The Avengers“ (die man bei uns leider nur als „Mit Schirm, Charme und Melone“ kennt). Agatha Christie und Miss Marple, die in St. Mary Mead einen Giftmord nach dem anderen lösen muss. Was macht das verschlafene Dörfchen eigentlich so gefährlich? Und warum kümmert sich darum nicht die örtliche Kriminalpolizei?

Shakespeare. Jane Austen, Virginia Woolf, George Orwell, Salman Rushdie, Zadie Smith. Rosamunde Pilcher, die sanften Hügel von Cornwall, steile Klippen, scharfer Wind, stürmische Liebe, Sehnsucht, Eifersucht, Trennungsschmerz, Versöhnung. Und nochmal alles von vorn.

In Großbritannien wurde die Schwerkraft endeckt (Isaac Newton). Die Vererbungslehre (Charles Darwin). Das Penicillin (Alexander Fleming) und die Schwarzen Löcher (Stephen Hawking). Die Dampfmaschine erfunden (James Watt), das Telefon (Alex Graham Bell), die Lokomotive, die Glühbirne, der Gummireifen, die Blechdose, der Rasenmäher, die Thermosflasche, der Schokoriegel, der Bankomat. Der Kapitalismus (Manchester), die Industrialisierung, der Welthandel, der Kolonialismus. Die Geschichte des globalen Empires hat eine gewisse ethnische Toleranz erzeugt; Beamte, Buschauffeure und „British-Airways“-Hostessen mit unterschiedlichsten Hautfarben; und einen Londoner Bürgermeister, der Sadiq Khan heißt.

Der Staub der Kohlegruben. Gewerkschaftsbewegung, Klassenkampf. Elend und Würde der britischen Arbeiterschaft, von Oliver Twist über Billy Bragg bis Billy Elliot.

Was jedes Kind kennt: Peppa Pig. Den Paddingtion Bear. Bob, den Baumeister. Mogli, Balu, Baghira, Shir Khan, die Schlange Kaa, und das schöne namenlose Mädchen am Wasser, das im Dschungelkind wieder die Sehnsucht nach den Menschen weckt. Alice in Wonderland und die Grinsekatze ( „If you don’t know where you’re going every road will take you there.“)

Lucy in the Sky with Diamonds. Die Beatles. Die Stones. David Bowie. Pink Floyd. Die Sex Pistols. Annie Lennox. Oasis. Radiohead. Robbie Williams. Amy Winehouse. Queen.

Die Queen. Die Queen Mum, die 101 Jahre lang lebte, weil sie täglich einen Gin Tonic trank. Die schöne, unglückliche, zu Tode gehetzte Prinzessin Diana. Charles, der ewige Prinz. Die Hochzeiten, Ehekrisen und Seitensprünge der Royals, die uns nun schon über viele Jahrzehnte bei Laune halten, wenn uns grad kein Gesprächsthema einfällt. Wann kommt übrigens das Baby von Harry und Meghan auf die Welt? Und ob William und Kate dann wohl eifersüchtig sind?

Die wunderbare BBC-Serie „The Crown“. Überhaupt: Die BBC. Das BBC World Service, in 27 Sprachen von Haussa bis Tamilisch. Das Haus am Eaton Place. Downton Abbey. Monty Pythons Flying Circus. Fawlty Towers.

Stonehenge. Oder, ebenfalls aus Stein: Die Tate Modern. Die staatlichen Museen und die Tatsache, dass der Eintritt für alle Besucher gratis ist. Norman Foster, Zaha Hadid. Die Fußgängerbrücke über die Themse. Die Telefonzellen und Doppelstockbusse.

Tennis in Wimbledon. Darts im Pub. Fußball überall. Cricket dort, wo man sich für etwas Besseres hält. Fuchsjagd, Hasenjagd, Pferderennen, Pferdewetten. Gartenarbeit in Cordhose und Tweedsakko, mit Lederflicken an den Ellenbogen. Mulberry, Burberry, Barbour. Karierte Wolldecken. Karierte Kniestrümpfe. Der Laptray. Die Hüte von Ascot. Dazu Schuhe von Doc Martens oder Jimmy Choo.

Hab’ ich jetzt tatsächlich Harry Potter vergessen? Nein, Europa wird nicht untergehen, wenn die Briten uns allein lassen. Aber es war mit ihnen doch auch ganz interessant.

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