Andere über mich | Others about me

Ute Baumhackl, Kleine Zeitung:

Fernsehdiskussionen über Politikverdrossenheit, über Aggression in der Kunst, über typisch weibliche Karriereknicks. Podiumsdiskussionen über den Korruptions-Untersuchungsausschuss und seine Folgen, über Armut, Kirche, Pflegewesen: Wo immer im Land öffentlich ernsthaft diskutiert wird: Sibylle Hamann ist dabei. Mit pointierten Standpunkten und klaren Argumenten, so wie in ihrem Schreiben: In der “Presse”, im “Falter”, in der “Zeit” und in der “Emma” etwa wirkt sie “als Opinion Leader im besten Sinne des Wortes” und leistet einen “entscheidenden Beitrag zur Hebung der Qualität der politischen Berichterstattung”. So begründet die Jury des Kurt-Vorhofer-Preises ihre Entscheidung, Hamann heuer auszuzeichnen.

Gestern wurde der 47-Jährigen der mit 7200 Euro dotierte Preis verliehen. Ausgelobt von der Kleinen Zeitung und der Journalistengewerkschaft, erinnert die Ehrung für Politikjournalisten an den langjährigen Leiter der Wiener Redaktion der Kleinen Zeitung. Mit ihm verbinden Hamann nicht zuletzt schreiberische Eleganz, ein genauer Blick auf das politische Geschehen, hohe moralische Integrität. Ihre Arbeit “zeichnet sich durch Parteinahme für Menschen aus, die oft dem üblichen journalistischen Blick entgehen”, so die Jury. Tatsächlich hat Hamann eine Weile inkognito als Putzfrau gearbeitet und darüber den Faktenkrimi “Saubere Dienste” verfasst (Residenzverlag, 2012, Leseempfehlung!).

Sie hat sich aber auch als Außenpolitikjournalistin an die verschwommenen Fronten der Bürgerkriege in Ruanda und im Kongo gewagt und berichtete, damals noch als “profil”-Redakteurin, vom Krieg der USA gegen die Taliban in Afghanistan. Derzeit ist die Tochter der bekannten Historikerin Brigitte Hamann Lektorin am Journalismuslehrgang der FH Wien und schreibt als freie Journalistin – einerseits ein Zeichen gelebter Unabhängigkeit, aber wohl auch, weil sie sich, so die Geehrte in ihrer Dankesrede, am liebsten “im Abseits” bewege. Denn “nicht dort zu sein, wo andere Kollegen und einfache Geschichten zu finden waren”, so ihr Fazit, “daraus sind meine besten Geschichten entstanden”.

Die Jury zum WINFRA-Preis 2014:

Sibylle Hamann zeigt in diesem witzigen Kommentar ohne Scheu vor der starken Meinung, aber dennoch präzise und ironisch vorgetragen, was man beachten soll um keine schlechte Stimmung auf der Straße zu verbreiten. Sibylle Hamann gelingt es dabei souverän, die Meta-Ebene des emotional aufgeladenen Stadtdiskurses zu thematisieren. Anregungen wie diese helfen, komplexe Themen wie das Thema Radverkehr in Wien diskursiv zu verdichten und damit auch ungewohnte Perspektiven darzustellen.