Was tun die Promis bloß auf ihren Motoryachten? Viel Spaß scheinen sie dort nicht zu haben.

Sibylle Hamann

Es sollte uns egal sein, wo Menschen, die beim Urlauben gesehen werden wollen, ihren Urlaub verbringen. Schon aus eigennützigen Gründen: Solange die an den immergleichen öden Orten an ihren Cabrios, Artischocken-Tramezzini und viel zu blonden Frauen herumfummeln und sich dabei von Phil Collins, Britney Spears oder Rainhard Fendrich beschallen lassen, fahren sie nirgendwo anders hin. Und belästigen niemanden an den wirklich interessanten Orten dieser Welt.

Ebenso sollte man bedenken, dass es immer nur die nicht-sehr-Reichen, die ein-bisschen-Mächtigen und die nicht-mehr-ganz-Schönen sind, die genagelte Schuhe, pastellfarbene Cocktails und geölte Haare geil finden. Man sieht ihnen beinahe an, wie sie mit kindlichem Stolz „Hallo Mama! Ich habs geschafft! Ich bin dabei!“ in die Kameras rufen, während sie sich auf den Achterdecks räkeln. Wer wirklich Geld und Macht hat, braucht weder Monte Carlo noch Kitzbühel – der geht, um Kraft zu sammeln für die nächste Megafusion, wahrscheinlich lieber zum Meditieren ins Kloster oder zum Schwammmerlsuchen in den Wald.

Trotzdem, rein interessehalber: Wie funktioniert das so im Business-Jet-Set, rein logistisch gesehen?

Zum Beispiel: Es ist heiß, es ist fad, deswegen mietet ein Unternehmer zum Zeitvertreib eine Yacht/eine Opernloge/eine VIP-Lounge bei einem Sportevent. Dass er die Schwiegermama und die redselige Tante Berta nicht immer dabeihaben will, leuchtet ein. Also: Freunde einladen. Vielleicht hat der Unternehmer nicht viele, weil Reiche oft einsam sind. Oder er hat welche, die peinlich oder ein bisserl zu wenig schön sind für Monte Carlo. Also blättert der Unternehmer (oder sein Privatsekretär? der Eventmanager? der persönliche Agent?) in seinem Filofax und screent die Einträge nach Glamourfaktor, Machtkoeffizient und Tagesfreizeit.

Sind die Eingeladenen da und ins passende Outfit geschlüpft, wird es erst richtig kompliziert. Wahrscheinlich sind sie alle aus derselben Branche, damit der Gastgeber die Miete für die Yacht/Loge/Lounge über die Firma abrechnen – oder als Werbungskosten bei der Steuer absetzen kann. Womöglich deklariert der eine oder andere Gast den Trip zudem als Dienstreise. Darts spielen und Cola-Rum trinken wäre also zu wenig, es sollte, zumindest ein bisschen, übers Geschäft geplaudert werden. Aber Achtung! Nicht zuviel. Dann ist es, unter Konkurrenten, nämlich eine Kartellabsprache, bei Politikern ein Bestechungsversuch.

Glaubt man Karl-Heinz Grasser, ist es ziemlich trist, was von so einem Trip am Ende übrigbleibt: Man hat mit Menschen, mit denen man nichts zu tun haben will und die einen nicht interessieren, stundenlang übers Wetter geredet oder über neue Trends im Pilotenbrillendesign. Man hat zwei Tage lang tapfer Tramezzini übers Deck getragen, ohne jemanden auch nur näher kennenzulernen. Dann fährt man wieder heim.

Wäre ich der Unternehmer – ich würde nach einem deratigen sozialen Desasterwochenende an meinen Gastgeberqualitäten zweifeln. Und nächstes mal doch lieber die Tante Berta einladen. Die spielt Darts, trinkt Cola-Rum und ist wenigstens lustig.

 

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