Ein Teenager hat Österreich geholfen, einiges auf den Punkt zu bringen.

Von Sibylle Hamann

Eine Woche Arigona, und die Luft schwirrt. Von Scheinheiligkeit, ehrlichem Mitgefühl und falschem Pathos. Die Gehirne sind verstopft von ein paar guten und sehr vielen falschen Argumenten, und die guten Argumente werden oft aus den falschen Gründen formuliert. Ordnen wir doch einmal.

Erstens: Es ist, nach allem, was man über den Fall weiß, wohl richtig, dass Familie Z. in Österreich kein Asyl bekommen hat. Das Asylrecht ist für Menschen da, die vor akuter Verfolgung fliehen und im Ausland Schutz suchen. Für die allermeisten Kosovaren, die heute in Österreich sind, gilt das nicht – allenfalls für einige, die der Volksgruppe der Roma angehören. Dass das Haus daheim kaputt ist, ist für eine Asylentscheidung ebenso irrelevant wie die ökonomische Zukunft des Kosovo.

Zweitens: Integration in Österreich kann, nie und nimmer, ein Kriterium dafür sein, ob jemand Asyl bekommt oder nicht. Polemisch formuliert: Einem hässlichen alten moslemischen Fundi, der Österreich hasst, aber glaubhaft nachweisen kann, in seinem Heimatland an Leib und Leben bedroht zu sein, muss Österreich Asyl gewähren. Einer hübschen, gescheiten und perfekt deutsch sprechenden Klassensprecherin nicht; selbst dann nicht, wenn sie bereitwillig hiesige Volkstänze lernt. Weil es beim Asylrecht, siehe oben, eben nicht um eine Belohnung fürs Lieb-Sein, sondern um Schutz vor Verfolgung geht.

Daraus folgt, drittens: Wenn wir wollen, dass die hübschen, gescheiten, integrierten, perfekt deutsch sprechenden Klassensprecherinnen samt ihren Familien im Land bleiben, müssen wir ihnen etwas anderes bieten als Asyl. Sie brauchen eine Einladung samt Rechtstitel, der ausdrückt: Wir wollen Menschen wie euch. Wir brauchen Menschen wie euch. Und was für eine glückliche Fügung, dass ihr – aus welchen Gründen auch immer – zufällig bereits im Land seid, ohne dass wir euch erst mühsam im Ausland suchen und anwerben müssen!

Was, viertens, zu dem Vorschlag führt, den ausgerechnet Jörg Haider am Sonntag scheinheilig im Fernsehen machte: Warum geht denn der Herr Z. nicht einfach auf die österreichische Botschaft in Belgrad und stellt einen ganz normalen Einreiseantrantrag? Die Antwort kennt niemand besser als Haider selbst: Weil es eben, seit dem neuen Fremdengesetz, praktisch keine „normale“, legale Zuwanderung nach Österreich mehr gibt. Es gibt eine Mini-Quote für Familiennachzug und eine Mini-Quote für eng definierte „Schlüsselkräfte“; als Forscher oder Spitzenverdiener schafft man es vielleicht irgendwie. Für strebsame Auswanderer hingegen, für Menschen wie die Familie Z., die anderswo einfach mit harter Arbeit neu anfangen wollen, haben ÖVP, SPÖ, BZÖ und FPÖ die Tür zugemacht. Bummzu.

Was, fünftens, erklärt, warum die Familie Z. tat, was sie tat: Ein Asylantrag, samt der Hoffnung, dass dabei irgendwas verschleppt/verschlampt wird, ist heute, praktisch und theoretisch, das einzige Schlupfloch nach Österreich; und die einzige mögliche Art der Einreise ist die illegale.

Womit sich Österreich, sechstens, die nüchterne Frage stellen sollte: Wollen wir das wirklich so? 

 

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