… aber was immer sie auch tun, es ist niemandem recht.

Sibylle Hamann

Ein General hats schwer. Aus Zeiten, als er jung war, hat er wahrscheindlich noch den Nachhall der Friedensbewegung im Ohr. „Frieden schaffen ohne Waffen“, hieß es damals, und wer ein Gewehr in die Hand nahm, galt im besseren Fall als gewaltbereiter Sonderling, im übleren Fall als Kryptofaschist. Das wird nicht angenehm gewesen sein.

Dann kam Bill Clinton, der die ganze Welt mit humanitären Interventionen befrieden wollte (was in Somalia eher schief ging), gleichzeitig erlebte Europa die Balkankriege. Und plötzlich stand die Frage im Raum, ob es wirklich ein menschlicher Fortschritt sei, ethnischen Säuberungen, Massenvertreibungen und Morden in der umittelbaren Nachbarschaft tatenlos zuzuschauen und weiter bloß laut „Frieden schaffen ohne Waffen“ zu rufen. Der grüne deutsche Außenminister zog die einzig redliche Konsequenz und schickte deutsche Soldaten in den Kosovo und nach Afghanistan.

Der österreichische General muss in jenem Moment späte Genugtuung gespürt haben: Frieden schaffen braucht manchmal Waffen. Hab ich doch immer schon gesagt.

Egal. Der General hatte die Botschaft verstanden, freute sich und bezeichnete die Arbeit seiner Truppe hinfort nicht mehr als militärisch, sondern als „humanitär“. Wo auch immer österreichische Soldaten hingeschickt wurden – sie ließen sich mit Schaufeln und anderem Werkzeug in der Hand ablichten, zeigten sich stolz beim Brückenbau, bei der Wasseraufbereitung oder beim Operieren verletzter einheimischer Bauern im Feldlazarett. Soldaten lernten so zu tun, als seien sie männliche Krankenschwestern in Tarnuniform, und als trügen sie Waffen nur pro forma.

Jetzt werden 160 Österreicher in den Tschad fliegen, mit dem Auftrag, Flüchtlinge aus Darfur beschützen. Gut möglich, dass sich unser General über diesen Auftrag gefreut hat. Doch das war voreilig. Denn plötzlich ist wieder alles anders. Und es ist inzwischen recht unübersichtlich.

Den einen ist der Tschad nämlich zu gefährlich. Soldaten, warnen sie, dürfe man nur an Orte schicken, an denen man jedes Risiko, eventuell zur Waffen greifen zu müssen, hundertprozentig ausschließen könne. Das sind zum Teil dieselben, die eben erst forderten, man müsse direkt im Kriegsgebiet von Darfur das Morden stoppen, statt Kosmetik an den Konflikträndern zu betreiben. „Überflüssig!“ schreien gleichzeitig all jene, die generell meinen, für die Rettung eines Afrikaners sei jeder Euro und jeder Tropfen Flugbenzin zu schade.

Internationale Einsätze brauchen mehr soziale Intelligenz und weniger unnötiges Kriegsgerät, hatte es lange geheißen. Jetzt ist man über die angeblich unzureichende technische Ausrüstung der Truppe entsetzt. Mal ist das Heer zu waghalsig, mal fehlt der Mut. Mal fehlt die langfristige strategische Planung, dann wieder die spontane Reaktionsfähigkeit.

Was wollt ihr eigentlich von uns? Der General wird sich mit dieser Frage inzwischen in stille Ratlosigkeit zurückgezogen haben. Der einzige Trost, der ihm bleibt: Wenn es irgendeinen Oberbefehlshaber gibt, der sich in so einer solchen Gemengelage noch auskennt, dann muss der Zivildiener sein.

 

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