Frauenquoten in Aufsichtsräten durchzusetzen, war gar nicht so schwer

Feig scheint die neue Frauenministerin, Gabriele Heinisch-Hosek, nicht zu sein. Denn sie trat ihre Amt gleich mit einem Vorschlag an, der Männern erfahrungsgemäß am allermeisten wehtut: Sie will Quoten für Frauen in Spitzenpositionen. Dem norwegischen Vorbild folgend, soll der Staat den Unternehmen schon im kommenden Jahr vorschreiben, dass in ihren Aufsichtsräten mindestens 40% Frauen sitzen müssen.

Der abwehrende Aufschrei des neuen Wirtschaftsministers, Reinhold Mitterlehner, folgte prompt. Doch ein Blick nach Norwegen würde sich gerade für ihn lohnen. Nicht nur, dass die Sache dort bisher tadellos funktioniert – sie war auch noch das Werk des konservativen männlichen Wirtschaftsministers in einer konservativ geführten Regierung. Ansgar Gabrielsen heißt der, ist ehemaliger Unternehmer, und wollte mit diesem Gesetz nicht den Frauen, sondern der Wirtschaft etwas Gutes tun.

Jahrelange Appelle an die freiwilige Einsicht der Unternehmen hatten in Norwegen ebensowenig gefruchtet wie in anderen Ländern. Da beschloss das Parlament, die Daumenschrauben anzusetzen: Allen größeren Aktiengesellschaften, die an der Börse notieren, gab man fünf Jahre Zeit, um die Quote zu erfüllen. Andernfalls droht im Extremfall die Auflösung des Unternehmens. 500 Unternehmen waren betroffen.

Norwegen ist ein Öl-Land. Vor allem die Firmen dieser Branche wehrten sich heftig gegen den staatlichen Eingriff. Doch kurz vor dem 1. Jänner 2008, als die fünfjährige Frist auslief, schaltete man von Widerstand auf hektische Betriebsamkeit um. Der norwegische Wirtschaftsverband, Mitterlehners Wirtschaftskammer vergleichbar, bot Kurse für Aufsichtsratskompetenzen an und stellte den Unternehmen seine Datenbank mit qualifizierten Kandidatinnen zur Verfügung.

Das Ergebnis: In norwegischen Aufsichtsräten sitzen heute 38% Frauen. Auch in kleineren Betrieben, für die das Gesetz gar nicht gilt, ist ihr Anteil deutlich gestiegen. Im europäischen Schnitt es es acht Prozent, in Österreich ebenso.

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