Familienplanung ist gut. Noch besser ist, dass Amerika dabei jetzt wieder global helfen wird.

Vieles hat Barack Obama dieser Tage unter den Augen einer Millionenöffentlichkeit getan: Eide sprechen, seine Töchter herzen, tanzen, Dekrete unterschreiben. Jenes zum Beispiel, mit dem das Gefangenenlager Guantanamo binnen eines Jahres geschlossen wird.

Anderes hat Obama lieber im stillen Kämmerlein erledigt, ohne Kameras, ohne allzu viel Gelegenheit zu Widerspruch oder Applaus. Kurz vor Dienstschluss, Freitag um sieben Uhr abends, hat er etwa ein Dekret unterzeichnet, das, nach acht Jahren Pause, wieder staatliches Geld für nationale und internationale Familienplanungsprogramme lockermacht.

„Familienplanung“ klingt harmlos. Doch in der politischen Wirklichkeit Amerikas ist es eines der gefährlichsten Schlachtfelder. Und in der globalen Wirklichkeit ist es eine Frage auf Leben und Tod.

Im Kern geht es darum, ob Frauen kontrollieren können, ob, wann und wie oft sie Kinder gebären – oder ob sie bloß mit sich geschehen lassen müssen, was die Natur (mit Hilfe von Männern) ihnen anschafft. Wer dazu neigt, die gute alte Zeit zu idealisieren, möge sich dran erinnern, was bei uns jahrtausendelang normal war: permanente Angst vor Schwangerschaften; erzwungene frühe Ehen; Schimpf und Schande, mit der man „gefallene Mädchen“ bestrafte; Lebensgefahr im Kindbett; Lebensgefahr durch Erschöpfung nach dem elften Kind; Lebensgefahr durch einen heimlichen illegalen Schwangerschaftssabbruch, wenn man das Gefühl hatte, das zwölfte Kind einfach nicht mehr zu schaffen.

Kinderreichtum bedeutete, meistens, bittere Armut. Es bedeutete: Kindersterblichkeit, Kinderarbeit, keine Chance auf Bildung. In den allerärmsten Ländern ist das bis heute ganz genauso.

200 Millionen Frauen weltweit, schätzen Experten, würden gern verhüten, können aber nicht. Könnten sie, würde das jährlich 175.000 Frauen das Leben retten, und 1,8 Millionen Kindern gleich dazu.

Das Problem ist, dass es konservativen Ideologen bei diesem Thema sofort die Haare aufstellt. Hören sie das Wort „Familienplanung“, denken sie gleich an Abtreibung, und so etwas darf nicht sein. Präsident George Bush boykottierte daher alle Hilfsorganisationen, die Schwangerschaftsabbrüche auch nur am Rande erwähnen oder darüber aufklären. Eine unheilige Allianz aus USA, Vatikan und islamischen Ländern blockierte acht Jahre lang die Gesundheitsprogramme der UNO.

Stattdessen empfahlen die religiösen Fundis den allerärmsten Frauen der Welt schlicht „Enthaltsamkeit“. So als ob deren Zügellosigkeit das Problem wäre. (So als ob es jemals das Problem gewesen wäre).

Es war Ronald Reagan, der das besagte Dekret 1984 erstmals unterschrieb, zum „Schutz der ungeborenen Kinder“. In einer seiner ersten Amstshandlungen machte es Bill Clinton 1993 rückgängig. George Bush, in den ersten Tagen seiner Amtszeit 2001, unterschrieb es wieder.

Seit Freitag ist jetzt hoffentlich wieder der Schutz der geborenen Kinder dran.

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