Kurzarbeit ist eine gute Idee. Auch für die Zeit nach der Krise.

KTM tut es und die AUA, Infineon und General Motors. Die Voestalpine tut es schon lang. 47.158 Menschen in Österreich wurden bereits in Kurzarbeit geschickt, bis Ende des Monats werden noch 5000 dazukommen.

Das sind 47.158 Menschen, die plötzlich einen Nachmittag in der Woche, vier zusätzliche Tage im Monat oder eine ganze Woche am Stück zu Hause bleiben. Die plötzlich, unverhofft, Zeit haben, die Kinder von der Schule abzuholen, mit ihnen Hausaufgaben zu machen, den Großeinkauf zu erledigen, sich um die kranke Oma zu kümmern, einen Englisch-Kurs an der Volkshochschule zu belegen oder endlich die kaputte Kellertür zu reparieren.

Daran ist die Krise schuld. Weniger Geld, mehr Zeit: Freiwillig hätte sich das kaum einer so ausgesucht. Aber ist es deswegen schlecht? Nicht unbedingt. Was die Krise uns hier aufdrängt, kann man, wenn man will, auch als kleines Trainingsprogramm begreifen – für Veränderungen in der Arbeitswelt, die über kurz oder lang ohnehin auf uns zukommen werden. Und die uns, wenn wirs richtig angehen, sogar gut tun können.

Unsere Arbeitswelt gehorcht derzeit nämlich dem „ganz-oder-gar-nicht“- Prinzip. Die einen arbeiten zu viel, und zwar Vollzeit plus Überstunden (Österreich hat in Europa, gemeinsam mit Großbrittannien, die längsten realen Wochenarbeitszeiten). Die anderen arbeiten zu wenig, nämlich bloß ein paar Stunden hier und dort, ohne im Beruf je richtig Fuß fassen zu können (Österreich hat, gemeinsam mit Deutschland, den höchten Anteil an geringfügig Beschäftigten).

Erstere brennen sich im Job aus, zweitere brennen dabei aus, den ganzen Rest der unbezahlten gesellschaftlichen Aufgaben zu jonglieren. Das ist nicht nur ungerecht und ineffizient, es ist auch mühsam für alle Beteiligten. Und wahrscheinlich mit ein Grund, warum so viele Österreicher und Österreicherinnen bei erstbester Gelegenheit in die Frühpension flüchten.

Es gäbe bessere, effizientere Arten, unser Arbeitsleben zu gestalten. Zum Beispiel so: Wir arbeiten im Alter wesentlich länger, dafür arbeiten wir, zumindest phasenweise, weniger Stunden. „Teilzeitarbeit“ bezeichnet heute eine finstere Sackgasse, die ausschließlich Frauen vorbehalten ist, und Aufstieg von vornherein ausschließt. Diese beschränkte Definition ist idiotisch. Teilzeitphasen zum normalen und steuerlich geförderten Bestandteil jeder Arbeitsbiographie zu machen, nicht nur an der Supermarktkassa, sondern auch am Hochofen, im Spital und in der Chefetage, wäre viel sinnvoller.

Es täte den Familien gut. Es würde Personalchefs mehr Optionen eröffnen als Anstellen, Kündigen oder In-Pension-Schicken. Den Angestellten würde es Zeit bringen, für Weiterbildung oder auch für einen zweiten Job nebenher. Es würde dem Output nützen, weil eine 30-Stunden-Woche weniger Leerläufe und Fehler erzeugt als eine 50-Stunden-Woche.

Und der maximale Output wird ja wieder wichtig werden, wenn die Krise erst einmal vorbei ist.

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