Was ist mit den Jugendlichen los? Keine Ahnung. Weil es keiner wissen will.

Wissen Sie, welches österreichische Ministerium für die Jugend zuständig ist? Wahrscheinlich nicht. Das Bildungsministerium? Falsch. Das Sozialministerium? Bis vor einigen Jahren ja, aber bei irgendeiner Regierungsbildung wurde die Jugend ins Wirtschaftsministerium weiterverschoben. Dort ist sie jetzt, vorläufig zumindest.

Wie viel weiß die österreichische Politik darüber, wie Jugendliche in diesem Land leben? Was sie rührt, was sie zornig macht, was sie begeistert, was sie schmerzt, wie sie reden, wen sie lieben, wen sie wählen, was sie essen, und was sie machen, wenn kein Erwachsener zuschaut? Die Politik weiß offenbar genug, um zu meinen, dass es reiche. Das „Österreichische Institut für Jugendforschung“, eine renommierte, seit einem halben Jahrhundert bestehende Institution, wird jedenfalls Ende des Jahres zusperren müssen, weil es vom oben erwähnten Ministerium keine Basisfinanzierung mehr kriegt.

Naja, könnte man sagen: Wissenschaftliche Forschung ist nicht so wichtig, Hauptsache, man tut für die konkreten Jugendlichen etwas. Für die misshandelten und die gewalttätigen, für die risikosüchtigen und die ausgegrenzten – denen steht der Staat doch sicher mit aller Kraft zur Seite, oder? Weil es doch nicht in seinem Sinn sein kann, dass aus Kindern Kranke, Kriminelle oder Sozialfälle werden? Aber auch mit dieser Vermutung liegt man falsch. Die Jugendwohlfahrt sagt, sie stehe knapp vor dem Kollaps. Die Sozialarbeiter und Sozialarbeiterinnen schaffen es gerade noch, in eskalierenden Akutfällen einzugreifen. Für die langfristige Begleitung von gefährdeten Familien fehlt die Zeit, das Personal, das Geld, vielleicht sogar das Know-How.

Und wenn wieder einmal etwas passiert, wenn wieder einmal das ganze Ausmaß der Sprachlosigkeit und des Misstrauens zwischen manchen Jugendmilieus und den staatlichen Institutionen sichtbar wird – dann stehen sie alle da, die Politik, die Medien, und sind empört und ratlos.

Es drängt sich ein böser Verdacht auf: Einer politischen Kaste, die immer älter wird (und die damit rechnen kann, dass ihre Wähler immer älter werden), sind die Vierzehn- oder Fünfzehnjährigen ziemlich wurscht. Diese Kaste wird immer die Interessen der Pensionisten gegen jene der Pubertierenden verteidigen, und jene der Lehrer gegen jene der Schüler. Diese Kaste will zwar die Wählerstimmen der Sechzehnjährigen, aber sie glaubt, sie könne das so machen wie all die anderen Erwachsenen ringsum: Den Kids einfach irgendein teures Geschenk (die Senkung des Wahlalters) vor die Füße werfen und von ihnen verlangen, dass sie dann ruhig sind. Haben doch eh was gekriegt, die Gfraster. Sollen nicht nerven. Und kusch.

„Was ist denn nur los mit euch?“ Wer so fragt, nach langen Jahren des Desinteresses; wer erst so fragt, wenns wieder einmal geknallt hat, braucht sich nicht wundern, wenn keine erhellende Antwort zurückkommt.

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