Wie sämtliche Bahnprobleme auf einen Schlag zu lösen wären

Sibylle Hamann

Ohne Berater geht ja nichts mehr in der Politik und in der Wirtschaft. Eine eigene Idee haben, einfach so? Das wäre beinahe verhaltensoriginell. An Berater wird ausgelagert, wofür man keine Verantwortung übernehmen will. Was man sich nicht zutraut. Also beinahe alles.

Das muss für Berater, trotz schöner Honorare, eine bleischwere Last sein, manchmal. Wer in diesen Tagen zum Beispiel die ÖBB beraten müsste, schliefe sicher schlecht.

Nennen wir ihn Herrn Berger. Berger würde sich im Bett wälzen und grübeln, was alles im argen liegt: Die Verspätungen und die trostlosen Bahnhöfe, die schmutzigen Zugtoiletten und die missmutigen Schaffner, die fehlgeplanten Verbindungen und die unverständlichen Durchsagen. Und dann käme Berger plötzlich die ultimative Lösung für jedes Bahn-Problem: Einfach die Bahn weglassen! Wie wärs ganz ohne Schienen, Waggons und Lokomotiven?

So gehts, denkt Berger: Die Bahn soll den Gütertransport von der Schiene auf die Straße verlegen. Nein, nicht in bahneigene LKW, sondern gleich in private. Die Nebenbahnen soll sie einstellen, je mehr, desto besser. Überhaupt: Je weniger Bahn, desto weniger Defizit! Ist doch alles ganz simpel! Wieso ist da keiner eher drauf gekommen?

Berger hebt ab im Traum, alles fühlt sich plötzlich so leicht an: Man könnte überhaupt den ganzen Personenverkehr abschaffen, alle Bahnhöfe zusperren, sämtliche Gleisanlagen herausreißen und zum aktuellen Alteisen-Preis nach China verkaufen! Je weniger Bahn, desto weniger Defizit – also gar keine Bahn, gar kein Defizit!

Berger lächelt selig. Kurz erscheinen ihm im Traum noch schemenhaft die ewig unkündbaren ÖBB-Bediensteten, aber für die findet er eine Lösung: Man könnte sie auslagern, in ein Museumsdorf zum Beispiel, dort könnten sie den Bahnverkehr 1:1 nachspielen und weiterhin ihre Krankenstände und Abfertigungen abtauschen wie eh und je. Klar kosten sie dann immer noch Geld. Aber wenigstens können sie kein PR-Desaster mehr anrichten, wenn sie keinen Kunden mehr begegnen.

Kunden? In diesem Moment schreckt Berger hoch. Verdammt, die hatte er ganz vergessen! Die Pendlerinnen und die Wochendendausflügler, die Schulklassen und die Rockkonzertbesucher, die Bergsteiger mit Rucksack und die Dienstreisenden im Business-Kostüm; all die Menschen, die gern umweltfreundlich und stressfrei unterwegs sein wollen in Österreich; all jene, die pünktlich von A nach B gebracht würden, am liebsten im Taktverkehr, begleitet von freundlichem, kompetentem Servicepersonal?

Berger sitzt auf der Bettkante. Den Kunden, denkt er, schicken wir halt ein Werbeprospekt ihres nächstgelegenen Autohändlers, samt der nachdrücklichen Bitte, sich doch endlich irgendein Auto zu kaufen. Sollen sie sich doch stauen auf den Straßen, noch ein paar Tonnen C02 in die Luft blasen und sich derstessen.

Ist ja nicht Herrn Bergers Problem. Das macht dann ein anderer Berater.

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