Ständig streiten Frauen ab, ihren Erfolg geplant zu haben. Warum eigentlich?

Man hört den Satz immer wieder, wenn erfolgreiche Frauen in Talkshowsesseln Platz genommen haben: „Es ist einfach passiert. Nein, geplant habe ich meine Karriere nie. Das hat sich so ergeben, totaler Zufall.“

Das klingt nett, meistens. Sympathisch, bodenständig, bescheiden, mädchenhaft, insbesondere dann, wenn es von einem neckischen Lächeln begleitet wird.

„Es ist einfach passiert“: Wenn man länger nachzudenken beginnt, schleichen sich jedoch Zweifel ein. Kennt man diesen Satz nicht von anderen Gelegenheiten? Fällt der nicht immer dann, wenn Frauen etwas getan haben, wofür sie sich genieren, wofür sie nicht wirklich Verantwortung übernehmen wollen? „Es ist passiert“ klingt wie: „Zugegeben – peinlich war der Typ schon, mit dem ich da neulich abgesackt bin. Aber ich kann nichts dafür. Der Alkohol war schuld.“

Diese Parallele ist verräterisch. Warum bloß meinen erfolgreiche Frauen so oft, sich für ihren Erfolg genieren zu müssen? Und wieso kämen erfolgreiche Männer niemals auf dieselbe Idee?

Es muss mit den unterschiedlichen Erfahrungen zu tun haben, die Männer und Frauen auf ihren Karrierewegen machen. Sich ein Ziel zu setzen, und dann beharrlich einen Schritt nach dem anderen zu setzen – das beweist im Business-Kosmos normalerweise strategischen Weitblick, taktische Ausdauer und inhaltliche Visionen. Damit erntet man Anerkennung. Als Mann zumindest. Sobald eine Frau ähnliches strategisches Geschick an den Tag legt, gilt sie als „eiskalt“ und „berechnend“. Und in diesen Verdacht wollen wir ja auf keinen Fall geraten, oder?

Unsere Sprache unterscheidet fein, aber vielsagend: Männer sind schlagfertig, Frauen sind aggressiv. Männer sind machtbewusst, Frauen herrschsüchtig. Männer sind impulsiv, Frauen hysterisch. Männer tragen Rivalitäten aus, Frauen führen Zickenkriege. Männer sind konzentriert, Frauen verbissen. Männer sind ehrgeizig, Frauen sind „überehrgeizig“.

Letzteres scheint ohnehin ein Wort zu sein, das ausschließlich für Personen weiblichen Geschlechts erfunden wurde. Es fehlt in kaum einem Artikel über eine Frau, die etwas Großes geleistet hat. Und suggeriert mit dem „über“, dass sich eine mehr genommen hat, als ihr eigentlich zusteht.

Doch was passiert im Märchen, wenn sich ein Mädchen über das Schicksal erhebt, das der Erzähler ihr zugedacht hat? Richtig: Sie wird bestraft. Im Wirtschaftskosmos funktioniert das nicht anders als im Märchen. Und die Strafe, die für „Überehrgeiz“ verhängt wird, heißt Liebesentzug.

Erfolgreiche Frauen sind einsam, heißt es in den Talkshows, in den Ratgeberbüchern, in den Illustrierten. Erfolgreiche Frauen finden keinen Mann – oder der, den sie haben, läuft ihnen entnervt davon. Sie kriegen keine Kinder. Sie sind sexuell frustriert und enden allesamt alt, allein und verbittert. Die Warnung raunt uns von allen Seiten an: Erfolg bringt Frauen Unglück. Und das wirst du doch wohl nicht anstreben, oder?

Spätestens an dieser Stelle haben wir den fiesen Trick durchschaut.

Die Lösung ist einfach: Ab heute ignorieren wir sie, die Talkshows, die Illustrierten und all die anderen ungefragten Ratgeber. Wir stellen uns taub, wenn sie uns den Ehrgeiz austreiben und unsere Ziele madig machen wollen. Und denen, die neckisch behaupten, ihr Erfolg sei „zufällig“ passiert, sie könnten gar nichts dafür – denen zwinkern wir veschwörerisch zu.

Wir verstehen ja, warum ihr das sagt. Wir hören eure Botschaft. Aber wir glauben euch kein Wort.

 

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