Ein Volksverhetzer wie Michael Jeannee hat in der neuen Society-Sendung des ORF nichts verloren. Warum? Wir erklären es in seinen eigenen Worten.

Eine Textmontage

Lieber Herr Wrabetz!

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Sie wurden erwählt, die größte und wichtigste mediale Orgel der Republik neu zu stimmen und sie als österreichisches Kulturgut zu erhalten. Sie haben die langweiligen, speichelleckerischen und unprofessionellen Defizite Ihres überalterten „Seitenblicke“-Formats erkannt und setzen nun auf Herrn Heinzl. Weil Sie wirklich nicht mehr wissen, was Sie tun sollen auf der Brücke Ihres von Ihnen auf Grund gesezten ORF-Schiffs, soll dort nun Michael Jeannee auftreten. Ein TV-Faustschlag aus dem Nichts heraus.

Ach, Herr Direktor, wie armselig durchsichtig. Sie machen das aus Gründen, die nur Sie allein kennen. Nur eines weiß ich mit Sicherheit: Es werden sehr, sehr schlimme, unerträgliche Stunden und Tage sein. So tief, so schmerzvoll und grauenhaft wie nur irgend möglich.

Denn Jeannee zeigt, dass das Böse keinen Pferdehuf besitzt und keinen Schweif, sich perfekt zu tarnen weiß. Dass es stinkt, das Böse. Nein, nicht nach Pech und Schwefel, wie es uns die alten Legenden und Sagen weismachen wollen, sondern nach Moder, Fäule, Finsternis, Kälte, Brutalität, Angst und Macht ohne Erbarmen.

Etwa gegenüber Natascha Kampusch, der er droht: Sie haben die mediale „Schonzeit“ endgültig verspielt. Aus und vorbei! Im Klartext, Natascha: Wenn künftig Ihr Händchen in einer Bar, Disco, Pizzeria, wo auch immer, nach der starken Hand Ihres männlichen Begleiters tastet, wenn Ihre Jungmädchenblicke verklärt in die Augen des Beaus an Ihrer Seite tauchen, wenn ein Küsschen oder Kuss ausgetauscht und hingebungsvoll Wängelchen an Wange getanzt wird, dann haben die Paparazzi alles Recht auf der Welt, auf Ihre Auslöser zu drücken. Pardon wird nicht gegeben.

Oder gegenüber dem 17jährigen Polizeiopofer in Krems: Wer alt genug ist zum Einbrechen, ist auch alt genug zum Sterben.

Das war wie ein Eishauch des Bösen, ein sibirisches Klirren. Hinter der Maske des Spießers und des Biedermanns verweigert Jeannee seinen Opfern das Recht, als Mensch behandelt zu werden.

Frauen mag er. Die lieblichen Fräulein, die rassigen spanischen Senoritas, die glutäugigen italienischen Signorinas und die koketten französischen Mademoiselles. Milch-und Honig-Wesen, am schönsten (zur Hölle mit den Schneidern!) so, wie Gott sie erschaffen hat. Die liebe arme Frau Glawischnig, ihre zarten Hände, ihre blauen Blitzaugen, blauäugig zum Weinen und zum Niederknien, obwohl die Intrige ihr schon die ersten Kerben in ihr hübsches Gesicht gezeichnet hat, nach einem Schuss vor ihren attraktiven Bug. Madame Rachida Dati, zuuuu attraktiv, herrlich pariserisch schlüpfrig. Zabine, Inbegriff eines saftigen Vollweibes, das unseren Puls zur Raserei bringt. Paris Hilton, möglicherweise ohne Höschen. Angela Merkel, mit Attributen o, là, là. Fiona: Schlagen Sie Ihre Endlosbeine gekonnt und sexy übereinander, wiegen Sie sich in Ihren herrlichen Hüften. Kurzum: Bedienen Sie uns optisch, aber bitte, bitte, bitte nicht akustisch. (Eine – watschel, watschel, quak, quak – Ente sind Sie nun wirklich nicht. Das Ihnen, zum Troste von einem alten – piff, paff, puff – Entenjäger.)

Andere Frauen verachtet er. Ungesunde ORF-Arbeitnehmerinnen und ihre süffisant-dümmlichen Bemerkungen. Ursula Plassnik, die blonde Riesendame, die nach Michael Douglas grapscht. Saubratl-Kdolsky, die tiefseetauchende Kondom-Verteilerin und ehebrecherische Love-Lady. Terezija Stoisits, stier und stieselig, impertinent, unverschämt, afro- und türkophil ohne Wenn und Aber, nur sicher eines nicht – Anwältin des österreichischen Volkes.

Überall hochgespielte Hysterie, Häme, Anfeindungen, Verleumdungen, Wut und Hass. Auf die ganze Grusel-Riege: larmoyante, selbstverliebte, pseudointellektuelle Phrasendrescher und Nestbeschmutzer. Mode-Marxisterln. Den Kotzbrocken Claus Peymann. Den Arigona-Pfarrer, vom Promi-Virus befallen. Gusi mit der entschlackten Barolo-Leber. Die bei weitem gefährlichste und giftigste Laus im Pelz, Top- und Krypto-Machiavelli, Amateur-Jakobiner, falscher Fuffziger und giftige Eurofighter-Hyäne Peter Pilz.

Bewundern tut Jeannee nur richtige Männer. Alpha-Tiere. Tiger. Einen Löwen und Kämpfer, der sich nicht feige und charakterlos davonstiehlt, wenn die Steppe in Flammen steht. Wie Hans Dichand, unser letztes rot-weiß-rotes Ideal. Jörg Haider, ein Mann in Saft und Kraft. Platter, ein hart zuschlagender und zielstrebiger Patriot. Erwin Pröll, Stern von Niederösterreich, der Wein- und Waldviertler Solitär, der Amboss-Meister. Schüssel, die Polit-Bulldogge in diesem politischen Schoßhündchen-Land. Oder Napoleon: groß, groß war er. In seinen Siegen, in seinen Niederagen, in seinen Verbrechen.

 

Tunten hingegen: Sind sie homosexuell minderwertig? Darf ein militanter Hetero ungestraft über sie herziehen? Existieren auch lesbische, also weibliche Tunten? Und wie erkennt man Tunten und Tuntinnen?

Der schwarze Mann mit dem lustigen Kapperl, der Mohr, wie Mutter schmunzelte, hat es ihm angetan. Verdächtige Farbige weniger: Ob schwarzer Dealer-Trash oder weißer – die gehören weg von der Straße. Ebenso Kriminelle, Tschetschenen, Migranten und Sozialschmarotzer. Die Mizzi mit ihrem persischen Bankert, der Ich-fahren-du-sagen-Taxler aus Uganda.

In den guten alten Zeiten, als man noch Neger sagen durfte, ohne in den Geruch eines faschistoiden Reaktionärs und Rassisten zu geraten, war es auch erlaubt zu formulieren: Der schlimmste Feind des Negers ist der Neger. Heute braucht das Land solche Sätze so dringend wie einen Kropf.

Herr Wrabetz, hast du da keine Magenkrämpfe? Ist dir nicht 24 Stunden am Tag zum Speiben?

Wohlan, mein Wölfchen: streife, jage und reiße. Heule den Vollmond an, wenn dir danach ist, erschrecke die tumben Menschen, mach ihnen Angst und lass sie in den dunklen Winternächten richtig erschauern. Doch verschone uns damit im ORF. Hier ist das eine klassische Fehlbesetzung. Weil das, was Sie für Ihren persönlichen kleinen Schmäh halten, den Charme und den Unterhaltungswert eines Herings besitzt, der verwichene Weinachten das Zeitliche gesegnet hat und eingesalzen wurde.

Es ist Provinzialismus, bigottes Frömmeln, stiernackige Brutalität, engstirniges Denken, durchsichtiger Chauvinismus, armseliges Mittelmaß, beschränkter Horizont, verschlagenes Spießertum und halbkriminelle Unfähigkeit. Es reicht! Streckt euch diesen vertrottelten Quatsch doch bitte sonst wohin! Und wenn ich auch nicht „Halten S doch, bitte, endlich die Pappen“ sage, denken tu ich mir das schon. Weil das ist nicht klagbar.

Herr Wrabetz, Ihre Küniglberger Zeit ist abgelaufen. Kommt Zeit, kommt Alzheimer. Nur der liebe Gott weiß, wo und was Sie in sieben Jahren sein werden. Und dann Gnade Ihnen Gott.

P.S.: Selbst ein über den Mund gepicktes Pflaster ist in diesem hoffnungslosen Fall komplett sinnlos.

(Alle Textteile stammen wörtlich aus der Kolumne „Post von Jeannee“ in der Kronenzeitung. Hinzufügungen sind kursiv gekennzeichnet.)

 

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