Morgen ist Girls‘ Day. Morgen ist auch Boys‘ Day. Beide Tage sind wichtig, der für die Buben fast noch mehr.

Sibylle Hamann

Den Girls‘ Day gibt es seit vielen Jahren. Den Tag, an dem Mädchen nicht in die Schule gehen (einen klassischen Frauen-Arbeitsplatz), sondern an einen, wo überwiegend Männer sitzen. In eine Tischlerei, in eine Verkehrsleitzentrale, in ein Forschungslabor für Biotechnologie. Dass Mädchen technische Berufe entdecken; dass sie ermuntert werden, es nicht immer wieder mit Friseurin, Verkäuferin, Sekretärin oder Lehrerin zu versuchen – das ist super. Aber es bleibt eine halbe Sache, ohne das männliche Äquivalent dazu – den Boys‘ Day.

Den gibt es heuer erst zum dritten mal. Er führt Burschen überall dorthin, wo es viel zu wenige von ihnen gibt: In die Kindergärten, die Pflegeheime, zu den sozialen Diensten. Um hier zu landen, müssen auch Burschen Rollenerwartungen sprengen. Doch man muss sagen: Das ist derzeit, vergleichsweise, wohl die schwierigere Übung.

Ein Mädchen, das heutzutage Maschinenbau studieren will, kann nämlich, sehr wahrscheinlich, auf Verbündete und Mentorinnen zählen, auf vereinzelte zumindest. Eine Nachbarin, eine Lehrerin, eine entfernte Cousine – irgendwer wird diese Greunzüberschreitung spannend finden, und ihr Mut zusprechen. Aber ein Bub, der Kindergärtner werden will? Der wird er sich hüten, das allzu laut zu sagen. Weil da weit und breit niemand ist, an dem er sich orientieren und aufrichten könnte.

Buben brauchen öffentliche Vorbilder, die cool sind, und gleichzeitig fürsorglich. Buben brauchen Promis, die nicht nur gequält von Gleichberechtigung reden, sondern das selbst mit Enthusiasmus vorleben. Buben brauchen Pop-Idole, die sich nicht bloß Respekt verschaffen, indem sie ihre Mädchen schlecht behandeln.

Buben brauchen Väter, die sich Zeit nehmen. Die da sind, die sich kümmern, und Verantwortung schultern. Buben brauchen Chefs und Politiker und Gewerkschafter, die in den Betrieben dafür sorgen, dass die Väter Zeit kriegen, um sich kümmern zu können.

Buben brauchen Männer mit einem Selbstwertgefühl, das sich nicht nur aus Macht und Geld speist, und die es aushalten, wenn eine Frau einmal mehr verdient als sie. Sie brauchen Männer, die Stärke zeigen, indem sie nicht immer die Stärksten sein wollen.

Man kann es auch so sagen: Buben brauchen Männer, die mutig genug sind, sich nicht immer bloß am Rudel anderer Männer zu orientieren, sondern tun, was sie für richtig halten – egal, wer sie deswegen schief anschaut.

Da fehlt den Buben noch sehr vieles, in Österreich. Ganz traurig könnte man werden, wenn man sich die gähnende Leere anschaut. Mutige, unkonventionelle Männer, die sich um Rollenklischees nicht scheren, könnten jedem Burschen in diesem Land das Lernen, das Sich-Ausprobieren und das Erwachsen-Werden wesentlich erleichtern. Gut für die Wirtschaft, das soziale Klima, für die Frauen und die Mädchen wären sie auch.

Aber wo nehmen wir sie bloß her?

 

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