Dieser Winter hat gezeigt: Fliegen tut nicht gut. Weder der Umwelt, noch dem Selbstwertgefühl, noch den Nerven. Lassen wir es bleiben.

Sibylle Hamann

Wann haben Sie sich zuletzt in Strümpfen, womöglich mit Loch, und gürtellos rutschenden Hosen in der Öffentlichkeit gezeigt? Sich schicksalsergeben abtatschen lassen, die Arme weggestreckt wie ein Pinguin? Wann haben Sie zuletzt fremden Leuten dabei zugeschaut, wie sie mit spitzen Fingern in Ihrer Toilettetasche wühlen und Ihre teuer erworbene Anti-Falten-Crème in den Müll werfen?

Ob Buchhalterin auf Pauschalurlaub, Teenager auf Sauftour oder Regierungsmitglied im Amt – mit der Bordkarte in der Hand mutiert der Mensch zum willenlosen Schaf, das von unerbittlich lächelnden Hirtinnen von einem Gatter ins nächste gescheucht wird.

Wenn Sie diese Weihnachtsferien hinter sich bringen, ohne einen Flughafen zu betreten – herzliche Gratulation! Herzliche Gratulation auch an die Al-Qaida und ihre Terror-Subunternehmer in Europa: Die Demütigungsrituale zu beobachten, denen sich Flugpassagiere seit Jahren in Ihrem Namen hingeben, muss eine Quelle steter Freude sein.

Die Terroristen sind jedoch nicht allein bei ihrer Mission, den Menschen das Fliegen abzugewöhnen. Tatkräftige Unterstützung bekommen sie von unfähigen Airportmanagern, gierigen Fluglinienaktionären, geizigen Kunden und jenen sadistischen Trainern, die dem Bodenpersonal das Kampflächeln beibringen.

Beginnen wir bei den Airportmanagern. Nicht nur in Österreich bekommen sie durch politische Beziehungen ihren Job, und nicht nur hier leben sie prächtig davon, Verantwortung für alles und jedes abzuwälzen. Ob Passagiere hinkommen, wo sie hinwollen, ist ihnen am Ende wurscht. Die Rechnung für jeden gestrichenen Flug zahlen ohnehin die Fluglinien. Für den Flughafen zählt bloß, wie lange sich die Passagiere hier aufhalten, und wie viel Geld sie dabei ausgeben. Je länger, je verzweifelter, desto besser.

Auch die Fluglinien wälzen die Verantwortung ab. Wenns im Winter schneit, dann schneits halt. Höhere Gewalt. Beschweren Sie sich beim lieben Gott! Die knappestmöglich kalkulierten Flugpläne, die bloß dann theoretisch eingehalten werden könnten, wenn es im Januar sowohl am Abflugs- als auch am Zielflughafen windstille 19 Grad Celsius hat – für die können wir doch nichts! Die haben wir uns bloß abringen lassen, weil die fordernden Kunden uns unter Druck setzen!

Die Kunden also. Geldgierig, geizig und maßlos wie immer. Wollen um 19 Euro in die Südsee oder wenigstens auf die Kanaren, werden grantig, wenn es dazu nicht auch noch ein Gratis-Sandwich gibt, und klagen bei erstbester Gelegenheit einen Hotelgutschein für hundert Euro ein. Versteht denn keiner, dass sich das nie und nimmer ausgehen kann? Dass die Flugzeuge Geld kosten, das Personal, das Kerosin, die Werbung, und dass am Ende immer irgendwer die Rechnung bezahlt?

Nein, das geht sich alles nicht aus. Im Fliegen stecken längst zu viele unaufgelöste Gleichungen, als dass sie sich noch einfach weglächeln ließen von gut trainiertem Bodenpersonal.

Das fängt bei der praktischen Frage an, warum man in endlosen Warteschlangen eher Schokoriegel verteilt als einen neuen Schalter öffnet. Führt weiter zur verteilungspolitischen Frage, warum Treibstoff für Flugzeuge steuerbefreit ist, was den Wettbewerb mit anderen Verkehrsmitteln extrem verzerrt. Und hört bei der philosophischen Frage auf, warum wir eigentlich immer weiter weg fliegen, um an Orte zu kommen, die einander immer ähnlicher werden.

Ich wage die Schätzung: Die Hälfte aller Flüge wäre verzichtbar, ohne dass der Verzicht irgendwem weh täte. Schade bloß, dass die Bahn diese Chance nicht erkennt.

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