Wer zuschauen will, wie man unfreiwillig viele, viele Menschen erheitert, sollte Facebook-Fan von „Bundeskanzler Werner Faymann“ werden.

Sibylle Hamann

Dass es lustig würde, dem Kanzler bei seinem Web-Auftritt zuzuschauen, hat anfangs niemand ahnen können. „Soeben bei einem Arbeitsgespräch mit Dr. Klaus Tschütscher, dem Regierungschef des Fürstentums Liechtenstein, im Bundeskanzleramt“, teilte Werner Faymann auf Facebook vor einer Woche seinen Fans mit. Was im Prinzip ok ist. Und auch nicht peinlicher, als wenn die Trixi von nebenan mitteilt, sie esse „jetzt eine Kürbissuppe mit Kernöl. Mmmmh!“

Was aber, wenn der Facebook-Auftritt, anders als bei der Trixi von nebenan, den Steuerzahler 180.000 Euro kostet und neun Leute beschäftigt? Dann kann man sich nicht mit Warten begnügen und demütig hoffen, dass sich Onkel Hans oder Tante Herta erbarmen und den „gefällt mir“-Knopf drücken. Zumal, in Gestalt von Werner Failmann, ja schon seit längerem ein unterhaltsames Double existiert, das bisher alle Aufmerksamkeit auf sich zog.

In einer derart verzwickten Lage muss man ein bisserl nachhelfen. Bei Goethe nachschlagen. Seine Wort‘ und Werke merkt‘ ich und den Brauch, und mit Geistesstärke tu ich Wunder auch! Einfach ein Gratisbild aus der Datenbank runterladen, ein paar aufmunternde Worte dazu, und geht schon! Wie das Becken schwillt! Wie sich jede Schale voll mit Wasser füllt!

„Wir brauchen jetzt kein Entweder-oder, sondern ein Sowohl-als-auch“, postet Faymann. 3117 Fans. „Dieser Schritt der Verwaltungsreform schafft eine Polizei mit einer schlanken Führungsstruktur, einer geringeren Anzahl an Schnittstellen und zentrale und serviceorientierte Anlaufstellen für Bürgerinnen und Bürger“: Schon 4257!

Dann muss Faymann gar nichts mehr posten, sondern bloß noch schlafen gehen. Um am nächsten Morgen mit 5287 Fans aufzuwachen. Immer neue Güsse bringt er schnell herein! Ach, und hundert Flüsse stürzen auf mich ein! „Dankenswerterweise wird diese Seite gerade von einer Fan-Invasion heimgesucht“, postet Faymann mit schon leicht panischem Unterton.

Die Verehrer, die ihm die Tür einrennen, heißen nämlich nicht mehr Niki oder Laura, sondern Lyson und Mallorie, Rhonda und Staci, Tricia und Cherelle, sie wohnen bevorzugt in Miami oder Mumbai und tragen meistens Bikinis. „Ich freue mich, dass ich zum dritten Mal das Vienna Economic Forum eröffnen darf. Angesichts der aktuellen Situation stellen gemeinsame Anstrengungen und Investitionen in Zukunftsbereiche unsere oberste Priorität dar“: Was Tricia und Cherelle dazu wohl sagen?

Ach, nun wird mir immer bänger! „Leider handelt es sich dabei offenbar um gekaufte Fans, die uns irgendjemand unaufgefordert spendiert hat“, postet Faymann. Tatsächlich kann man auf ebay, Sofortkauf, 1000 Fans um 99,95 Euro erwerben. Deutschsprachige wären ein bisschen teurer gewesen.

Was bei 180.000 Euro jedoch gar nicht ins Gewicht fiele. Und nicht einmal mehr notwendig wäre. Denn seit die Geister, die Faymann rief, losgelassen sind, ist seine Facebook-Seite so lustig geworden, dass Fans dort sogar freiwillig vorbeischauen. Fans wie Werner Failmann zum Beispiel. „Wir bemühen uns, die Leute so rasch wie möglich wieder loszuwerden“, postet ein verzweifelter „Bundeskanzler Werner Faymann“, der wohl ebensowenig der wirkliche Faymann ist wie all die anderen. In die Ecke, Besen, Besen, sei’s gewesen? Aber nein! Bloß jetzt nicht! Es fängt doch eben erst an!

 

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