Die einen Männer versucht der Staat zu Papamonaten zu überreden. Die anderen schafft er mit Gewalt von seinen Kindern fort. Absurd? Nein, ganz normal in Österreich.

Sibylle Hamann

Es sind sich ja heutzutage fast alle einig, wenn es um Väter geht. Auf linker Seite betont man, wie wichtig es ist, dass Väter gleichberechtigte Partner sind. Auf konservativer Seite geht es eher um die Komplettheit der traditionellen Kernfamilie und darum, dass Kinder ein männliches Rollenvorbild haben. So oder so – jenseits ihrer unterschiedlichen Gesellschaftsvisionen können die allermeisten Menschen einen Grundsatz unterschreiben: Es ist gut für ein Kind, wenn es einen Vater hat, der Verantwortung übernimmt. Der schon zum Baby eine innige Beziehung aufbaut, anwesend ist, Zeit hat, und zum Trösten da ist, wenn es sich das Knie aufschlägt. Neuerdings wird das sogar aus Kinderperspektive formuliert – als „Menschenrecht des Kindes auf zwei Elternteile“.

Väter, die für diese Rolle bereit sind, gibt es immer mehr. Sie werden vom Staat ermuntert und anerkannt, geschützt und gefördert, vom Familienminister, von der Frauenministerin, und in allen Sonntagsreden lobend erwähnt. Schließlich sind solche Väter Vorbilder. Und schließlich ist Österreich ein Familienland.

Aber dann gibt es Väter wie Akhmed Adzhiakhmayev, 46 Jahre alt. Der hat zwei Kinder, Medina und Mohammed, acht und neun Jahre alt. Beide Kinder sind in Österreich geboren, beide gehen hier in die Schule. Eine traditionelle Familie mit anwesendem Vater, der für die Kinder da ist. Doch dieser Vater wird demnächst weg sein, für immer. Nicht etwa, dass er sich eine jüngere Frau anlacht, die Familie sitzenlässt, durchbrennt, weil ihm alles zu anstrengend geworden ist, oder weil er ein bisschen Abwechslung im Leben braucht. Nein, er wird von Staats wegen außer Landes gewiesen. Per Abschiebebescheid, nach Dagestan. An einen Ort, wohin er den Rest der Familie nicht einmal mitnehmen könnte, wenn er wollte, denn Frau und Kinder sind gar nicht aus Dagestan.

Ein Einzelfall? Aber nein, so etwas geschicht im Familienland Österreich alle Tage. Vergangene Woche zum Beispiel, in Graz: Kelly Osaro Osaghe lebte hier seit acht Jahren, unbescholten, er arbeitet, hat deutsch gelernt, sein Antrag auf humanitären Aufenthalt läuft noch, seine Frau erwartet ein Kind. Dennoch wurde er vergangene Woche abgeschoben. Am Montag hat ihn die Fremdenpolizei abgeholt, am Mittwoch schon wurde er ins Flugzeug gesetzt, ab nach Nigeria. Er wird nicht dabeisein, wenn sein Kind geboren wird, die Mutter wird auf seine Unterstützung verzichten müssen, und das Kind wird ohne Vater aufwachsen. Weil der Staat Österreich das für richtig hält.

Was unterschiedet Medina und Mohammed und das noch ungeborene Grazer Baby eigentlich von allen anderen Kindern, von Rosa und Jakob, Lena und Max? Die innige Beziehung vom Säuglingsalter an, die gleichberechtigte Elternschaft, das männliche Rollenvorbild – was bei den Rosas und Jakobs in diesem Land für unabdingbar wichtig gehalten wird, ist für Mohammed und Medina und das Grazer Baby offenbar völlig irrelevant.

Der Staat wendet viel Geld und Energie auf, um Rosas und Jakobs Väter zu mehr Anwesenheit zu überreden, mit Papamonaten, Väterkarenz und finanziellen Anreizen, mit Kampagnen und Appellen. Andere Väter wären eh schon da. Aber da wendet der Staat viel Geld und Energie auf, um sie, gegen ihren Willen, gegen den Willen der Mütter, mit aller Kraft von ihren Kindern zu trennen.

Verstehe das, wer will.

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