Zentralmatura und Bildungsvolksbegehren abgewehrt, Gymnasium verteidigt: Von den AHS-„Professoren“ kann man sich die Kunst der Beharrung abschauen

Schulschluss. Grillpartys, Theateraufführungen, Sporttage. Die Noten stehen fest. Und die AHS-Lehrerinnen und Lehrer dürfen wieder mit dem befriedigenden Gefühl in die Ferien gehen, dass nach den Ferien Alles weitergehen wird wie immer. Diese Kraft muss sich gut anfühlen, zu Sommerbeginn. Herbst und Winter wird man rumkriegen, indem man einfach erstarrt; dann kommt der Frühling, der verfliegt eh immer so schnell, und schon wird wieder ein Schuljahr vorbei sein, ohne dass sich irgendetwas verändert hätte. Ohne gemeinsame Mittelschule. Ohne Abschaffung des 50-Minuten-Stundenplans. Ohne ZEntralmatura, oder sonst irgendeine echte Neuerung.

Wegschauen, wenn man angesprochen wird; sich nicht gemeint fühlen; und wenn’s richtig knapp wird, erschrocken bedauern: „`tschuldigen, Frau `fessor, aber das geht sich jetzt wirklich nimmer aus“: Vielleicht haben die Lehrer und Lehrerinnen diese Taktik ja von ihren Schülern und Schülerinnen gelernt. Am Beispiel der Zentralmatura wurde sie virtuos vorgeführt. Seit vielen Jahren ist klar, dass die kommt, aber für Fortbildungen war wohl zu wenig Zeit. Theoretisch hätte man das Ziel und den Weg dorthin mitgestalten können, Erfahrungen und Praxis einbringen. Aber wieso sollte man? Denen helfen, die einem ständig Lerneifer abringen wollen? Sollen sie doch schauen, wo sie bleiben. Ohne uns geht nämlich gar nix.

Chuzpe gehört ebenfalls zur Taktik – wie bei einem Schüler, der sagt, er habe die Hausübung bloß deswegen nicht gemacht, weil sie „viel zu einfach“ sei. Dann spricht man vom „drohenden Niveauverlust“ durch die Zentralmatura. Ein interessantes Argument. Was genau wäre für die um ihr Niveau besorgten Spitzenlehrer denn so tragisch, wenn ihre Spitzenschüler bei den „viel zu einfachen Fragen“ der Zentralmatura allesamt spitzenmäßig abschneiden? Lauter Einser, plus das wunderbare Gefühl, darüber hinaus noch jede Menge unabgeprüftesWissen vermittelt zu haben, das das Leben bereichert – gar so schlimm kann dieser Zustand nicht sein. Es sei denn, die Sorge ums „ Niveau“ wäre nur vorgeschoben. Um zu verhindern, dass das es tatsächlich mit dem Niveau anderswo verglichen wird.

Womit wir beim Vergleichen sind. Und dem wohl entscheidenden Punkt, der die Lehrerängste nährt. Dass Schüler verschieden sind, unterschiedlichen Hintergrund, Ehrgeiz, Neugier und Begabungen mitbringen, wissen wir, und Lehrer sind es gewöhnt, sie miteinander zu vergleichen, jeden Tag. Aber Lehrer und die Qualität des Unterrichts vergleichen? Das ist ein Tabu, wird aber mit der Zentralmatura plötzlich möglich sein. Wenn sich etwa die mysteröse Frage stellt, warum die Klasse X, die in Latein und Englisch super abschneidet, gerade in Französisch kollektiv nichts zusammenbringt. Oder warum die „schwierige Klasse“ Y, über die im Lehrerzimmer ständig gejammert wird, ausgerechnet in Mathematik überdurchschnittliche Leistungen bringt, bessere sogar als in der angeblichen Eliteschule drei Straßen weiter.

Lernfähige und lernwillige Lehrer würden sich über dieses Aha-Erlebnis freuen, und sich dafür interessieren, was der Mathematiklehrer mit den Y-Kindern anders macht als sie. Damit sie selbst besser werden, auf neue Ideen kommen.

Man kann allerdings auch den Kopf zwischen die Schulten ziehen, so tun, als sei man gar nicht gemeint. Und hoffen, dass es möglichst bald klingelt, ohne dass man drangekommen ist.

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