Der amerikanische Präsidentschaftswahlkampf ist immer auch ein Wettstreit zweier Frauen. Es ist ein entwürdigendes Ritual. So wie die First-Lady-Rolle generell eher würdelos ist.

Präsidentin können Sie nicht werden, wenn Sie nicht in den USA geboren sind. Präsidentengattin theoretisch schon. Wenn Sie Regeln befolgen.

Erstens müssen Sie bereit sein, Ihr Leben aufzugeben. Ihren Wohnort, Ihr Haus, die Souveränität über Ihren Tagesablauf, Ihre Freunde, Ihr Eheleben. Sie sind als First Lady nämlich kein Mensch mehr, sondern ein Accessoire, das ausschließlich dazu dient, Ihren Mann besser ausschauen zu lassen. Sie sind sein Farbhintergrund; ein Hintergrundrauschen, vor dem er vorteilhaft zur Geltung kommt.

Zweitens dürfen Sie nicht mehr arbeiten. Egal wie erfolgreich Sie bisher waren, ob Sie – wie Michelle Obama – mehr verdient haben als Ihr Mann: Sie müssen Ihren Beruf an den Nagel hängen. Eine First Lady arbeitet nämlich nicht für schnödes Geld. Sie arbeitet hart, aber ausschließlich im immatieriellen Dienst der Nation.

Drittens dürfen Sie damit jedoch das politische Programm Ihres Mannes nicht konterkarieren, das womöglich Gleichbereichtigung der Geschlechter vorsieht. Dann müssen Sie die faktische Ohnmacht mit militärischen Titeln ausgleichen („Mom-in-Chief“, „Commander-at-Home“), oder mit präzise definierten Oberarmmuskeln. Trainieren Sie also Liegestütz.

Viertens brauchen Sie ein Hobby. Nicht golfen (zu dekadent), nicht jagen (tötet Tiere), nicht musizieren (kann auf Youtube peinlich sein), nicht zu politisch (Gesundheitsreform!), aber auch nicht ganz unpolitisch. Gärtnern ist ideal, das verbindet die gefälligen Themen Gesundheit, Eigenverantwortung, Umweltschutz und Familie, und ermöglicht Outdoor-Fotoshootings (Gummistiefel).

Fünftens: Kleider. Die sind ab sofort politische Standortbestimmungen. Wie lang, wie teuer, welche Farbe, welcher Designer, wie viel Schmuck, wie viel Haut – all das sendet ein Signal, und jeden Morgen entscheiden Sie, ob Sie einen Schritt in Richtung Kult machen, oder in Richtung Mitleid. Seien Sie gewarnt: einmal danebengreifen – man wird Ihnen niemals verzeihen.

Fünftens: Krisen. Krankheiten sind beschränkt erlaubt. Krebs, Multiple Sklerose (Ann Romney), Depressionen (Tipper Gore) dürfen sein, wenn sie öffentlich gestanden und in das einzig mögliche Narrativ eingebettet werden: die Unbeschwertheit, die Diagnose, das tiefe Loch, die Hilfe, die Bewältigung. Gehorcht Ihr Problem diesem Drehbuch, kann es Ihren Mann größer, stärker, verantwortungsvoller machen – krisengeprüft eben.

Siebentens: Lernen Sie backen. Die Zeitschrift „Family Circle“ bittet seit zwanzig Jahren beide Anwärterinnen für das Weiße Haus um ihr bestes Keks-Rezept, die Leserinnen stimmen ab. Beim eben stattgefundenen Wettstreit zwischen Obama (weiße und dunkle Schokolade) und Romney (M&M-Cookies) gewann Obama mit 51,5 %, was das Wahlergebnis der Gatten meistens korrekt vorhersagt. Zu verdanken hat Amerika das demütigende Backritual ausgerechnet Hillary Clinton, die glaubte, damit ihren Ruf als Hausfrau retten zu müssen.

Achtens: Ihr Mann. Lieben Sie ihn, aber nicht zu sehr. Erzählen Sie allen von seinen kleinen Schrullen, von den herumliegenden Socken und den vergesenen Hochzeitstagen; von den lässlichen Sünden, aber nicht den ernsten. Das macht ihn nahbar, menschlich und erleichtert speziell Wählerinnen die Identifiktion.

Schließlich: Lassen Sie sich nicht scheiden. Weinen Sie, aber weinen Sie heimlich. In vier Jahren ist alles hoffentlich vorbei.

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