Ein Vortrag zum Jubliäum der Frauenberatungsstelle Kirchdorf /OÖ

Reden wir heute über den Yoga-Kurs. Ich geh nämlich Yoga, sehr gern sogar.

Und reden wir darüber, dass ich öfters Abendtermine auslasse, zu denen man normalerweise hingeht, weil dort viele wichtige Leute sind. Wenn ich meinen Terminkalender schau und sehe. Da stehen schon drei Abendtermine in dieser Woche, und ich das Gefühl hab, das will ich weder meinem Mann noch einen Kindern zumuten.

In solchen Momenten fühle ich mich ertappt. Von Leuten, die sagen: Da sieht mans mal wieder. Frauen sind selber schuld, wenn sie nicht so erfolgreich, mächtig und reich sind wie Männer. Weil sie bequem sind. Weil sie nicht ehrgeizig genug sind. Weil sie feig sind. Weil sie nicht bereit sind, 120 Prozent ihrer Kraft in die Arbeit zu stecken, so wie Männer das tun. Frauen sind selber schuld daran, dass es keine Gleichberechtigung gibt in der Gesellschaft.

Den Männer würden selbstverständlich auch den 5 Abendtermin zusagen, und aufs Yoga verzichten sie sowieso.

Sie haben vielleicht von einem Buch gehört, das letztes Jahr für einiges Aufsehen gesorgt hat: Von Bascha Mika, einer tollen, sehr erfolgreichen deutschen Journalistin. Sie nennt das, wo ich lebe, die “Komfortzone”. In dieser “Komfortzone” leben Frauen, die behaupten, emanzipiert zu sein, aber dann nicht danach handeln. Sich zurückziehen in Reihenhaus, Yogakurs und einen anspruchslosen Teilzeitjob. Statt um den Abteilungsleiterposten zu kämpfen, kriegen sie lieber Kinder, schicken ihren Partner in die ungemütliche Arbeitswelt hinaus, dekorieren derweil das Wohnzimmer und jammern ihm abends was vor.

Inhaltlich betrachtet, kann man zu Mikas Thesen sagen: Erstens hat sie Recht. Zweitens hat sie Unrecht. Frauen sind für manches zu feige, das stimmt. Aber Frauen sind auch sehr mutig, mutiger als man es von ihnen eigentlich erwarten könnte. Und genau über diesen Widerspruch möchte ich heute sprechen.

Reden wir zuersteinmal über die Feigheit. Wir kennen wir sie ja alle, die Situationen, die Mika beschreibt: Die Frau, die ihrem Mann immer still die Socken wegräumt, weil Sockenwegräumen weniger mühsam ist als streiten. Das berufstätige Paar, das dorthinzieht, wo er ein Jobangebot hat; für sie wird sich dort schon irgendwas finden. Die Frau, die eine Beförderung ablehnt, weil man dann ab und zu auf Dienstreise fahren müsste, und sie unsicher ist, ob ihr Mann das hinkriegt, ab und zu allein mit den Kindern. Und gleichzeitig – weil sie fürchtet, er könnte eventuell grantig werden, wenn sie besser verdient als er.

Wir kennen auch die vielen Geschichten, die mit einem Baby beginnen und einem Familienmodell enden, das alle längst für überholt hielten: Sie bleibt – selbstverständlich – erstmal zuhause und wartet ab. Er arbeitet – selbstverständlich – weiter bisher, sogar noch mehr, denn er ist ja jetzt Alleinverdiener, und macht dabei quasi zufällig Karriere, weil er ja jetzt viel Zeit im Büro verbringt. Sie kämpft sich derweil in eine geringfügige Beschäftigung zurück, oder arbeitet stundenweise von zuhause. Ohne allzugroßen Ehrgeiz, der würde sie nur stressen, denn für den Restkram des Lebens bleibt sie – selbstverständlich – nebenher zuständig. Außerdem kann sie kann ja gar nicht von daheim weg, denn er braucht ja das Auto.

Irgendwann ist die schiefe Ebene in der Beziehung einzementiert. Er weiß nicht, wie man das macht mit dem Brei-Anrühren, und wenn er füs Baby ocken kaufen soll, weiß er garatniert nicht, in welcher Größe. Sie war zwar früher einmal ein Profi in ihrem Job, aber nach drei Jahren Pause ist sie nicht mehr sicher, ob sie sich noch zutrauen würde, die Vertretersitzung zu leiten, und ist froh, dass niemand sie morgen auf die Probe stellt.

Und wenn die Frauen, die allesamt einen Beruf gelernt haben, dann zusammensitzen und über den Elternverein an der Schule reden, und über die Sonderangebote in der H&M-Kinderabteilung, ud darüber, wie schwierig es ist, sich um die bettlägrige Oma im Nachbarhaus und das Baby gleichzeitig zu kümmern, dann klingt es, als seien sie allesamt alleinerziehend.

Sie ist eigentlich emanzipiert, aber nüchtern betrachtet, ist sie ökonomisch ebenso von ihrem Mann abhängig wie einst ihre Oma. Er fühlt sich als “neuer Vater”, aber er sieht die Kinder nur am Wochenende wach. Beide fühlen sich in der Falle. Und beiderseits wächst der Frust.

Da möchte man Frauen tatsächlich manchmal an den Schultern packen und rütteln und sagen: Hallo, bist du etwa zwangsverheiratet worden? Wer hat euch dieses Arrangement denn angeschafft? Gibt es ein Gesetz, das Männern Hausarbeit verbietet? Das ihnen verbietet, im Job Teilzeit zu arbeiten, so wie du das ganz selbstvertändlich tust? Warum hast du nicht rechtzeitig, ehe die Kinder kamen, den Konflikt gesucht, Bedingungen gestellt, was die Aufgabenverteilung betrifft, statt dich einfach ins naheliegendste Rollenklischee zu fügen? Kannst du nicht auf die Hinterbeine stellen, ein bissl mutiger sein?

Der Vorwurf der Feigheit stimmt auch manchmal, wenn man Frauen im Berufsleben beobachtet. Sie kennen das sicher Die Fruen, die sich quasi dafür entschuldige, wenn sie eine Führungsposition kriegen. Die ständig versichern, die Karriere hätten sie ie une nimmer geplant, die sei einfach irgendwie passiert, und sie hätten keine Ahnung, ehrlich. So als hätte man sie beim Diebstahl erwischt.

Frauen, die beuteuern, dass ihnen völlig egal sei, ob sie mehr oder weniger verdienen, weil es kommt ja nur auf die Anerkennung an, drauf, dass sie zeigen könne, was sie können, Geld ist eh nicht so wichtig.

Frauen, die Angst haben, sich Feinde zu machen. Deswege vor  Verantwortung zurückscheuen. Haben ja recht damit, das sie kritisch beäugt werden, kiticher als Männer, wenn es um Lob und Tadel geht: Ein männlicher Chef ist leidenschaftlich, wenn er laut wird, eine weibliche Chefin ist hysterisch. Er ist ein genialer Stratege, sie ist berechnend. Er ist professionell, sie ist eiskalt. Er ist ehrgeizig, sie ist überehrgeizig. Ein Wort, das speziell für Frauen erfunden wirden. Richtig, das muss man aushalten. Aber man könte auch, wie so viele MÄnner, beschließen, dass es einem egal ist.

Es gibt auch Frauen, die Angst haben, weniger geliebt zu werden, wenn sie etwas fordern. Wenn sie erfolgreich sind. Ein Mann wird für seinen beruflichen Aufstieg quasi automatisch damit belohnt, dass er Status gewinnt. Umgekehrt ist das keineswegs so   – nicht bewundert, sondern manchmal sogar bemitleidet. Die Arme, hat wahrscheinlich sonst kein Leben. Muss etwas kompensieren. Ist in irgendeinem Bereich zu kurz gekommen. Ist emotional frustiert. Männer gewinnen durch beruflichen Erfolg Attraktvität am Partnermarkt, Frauen wird das Gegenteil prophezeit: Ob das dein Mann verkraftet? Man würde es sogar verstehen, wenn er sie deswegen verlässt.

Ja, das ist alles nicht lustig. Aber man muss durchschauen, dass es ganz perfide Taktik ist, um Frauen zu entmutigen. Um sie abhängig zu halten. Um sie als Arbeitskräfte billiger zu machen. Ja, weil Frauen das alles ständig mitdenken, verhandeln sie tatsächlich schlchter. Drängen sie sich nicht vor, wenn Führungspositionen besetzt werden. Fahren im Beruf “mit angezogener Handbremse”. Haben im Hinterkopf ständig eine Stimme die flüstert: “Auch ok, wenn ich die Gehaltserhöhung nicht krieg, wahrscheinlich täten die Kolleginnen dann schlecht über mich reden.” Die sagt: “Wenns im Job mühsam wird, dann lass ichs halt wieder und krieg noch ein Kind. Arbeit ist ja nicht alles im Leben.”

Sie kennen dieses Sätze. Sie haben sie, wie ich auch, wahrscheinlich schon oft im Leben gedacht. Kennen Sie viele Männer, die solche Sätze sagen würden? Wahrscheinlich nicht.

Dennoch: Es liegt nicht nur an uns. An unserem inneren Befinden, An unserem mangelnden Mut. Wir sind nicht an allem “selber schuld”. Reden wir einmal von den Umständen. Und hören wir den Frauen zu, was sie erzählen, wie sie in diese Falle geraten sind.

Beginnen wir hier, in OÖ. Arbeitsplatzangebot: es gibt Teilzeitstellen hier im Einkaufszentrum, Teilzeitjobs dort bei der Tankstelle und beim Friseur, und wenn Feuerwehrfest ist, gibts auch einiges zu tun. Ein Phänomen, das in Deutschland und Ö starker ausgeprägt ist als in anderen Ländern Europas und in Obersterreich noch einmal am allerstärksten: Wir haben einen völlig zweigeteilten Arbeitsmarkt. Das eine Segment nur für die Frauen, das andere Segment nur für die Männer. 12, 15 Wochenstunden hier, 50 Wochenstunden dort. Totale Flexibilität hier, Totalbeanspruchung dort, inklusive Überstunden. Zwei Arbeitswelten, nebeneinander. Manchmal sogar im selben Betrieb. Aber niemand wechselt je von der Frauenarbeitswelt in Männerarbeitswelt hinüber oder umgekehrt. Das sind wie zwei getrennte Schienen, in verschiedene Richtungen – die Teilzeitschiene eher ein Abstellgleis, die andere führt bergauf. Zwei Planeten, Mars und Venus.

Reden wir über de Kinderbetreuung am Land. Wie schauts aus in OÖ? Wie ist das mit den Schließtagen im Kindergarten im Sommer? Super, wenn man Omas hat, aber es ist nicht so lustig, wenn alle selbstverständlich davon ausgehen, dass man eine Oma hat. Und es wird ja noch schwieriger, wenn sie erst mal in der Schule sind. Gibts Mittagessen? Einen Speisesaal? Hilfe bei den Aufgaben? Irgendwer muss sich halt kümmern, und sein Arbeitsleben darauf einrichten.

Reden wir über die Art, wie wir wohnen. Ein Haus bauen – das tun viele hier, als erstes großes Projekt einer Ehe. das heißt: Verschuldung. Arbeit am Wochenende, jahrelang, meistens noch mit keinen Kindern. Keine Zeit füreinander, miteinander – obwohl man doch genau deswegen ein Haus baien wollte, füreinander, miteinander. Die Abhängigkeit vom Auto.  (Mein Luxus in Wien: freiberufler, kurze Wege, Schulen 5 min entfernt, Büro um die Ecke. Einkauf am Weg). Am Land: Die Kinder herumführen müssen, wenn sie jemanden treffen wollen. Einkaufen nur mit dem Auto. Lange Wege. Frisst wieder Zeit. Es muss halt wer da sein, der sich drum kümmert.

Reden wir über die soziale Kontrolle. Ich hab schon einige Frauenhäuser besucht, und die Geschichten der Bewohnerinnen erzählt. Aber erst als ich neulich im Frauenhaus Amstetten war, hab ich verstanden, dass das am Land eine komplett andere Sache ist. Wie schwer es ist, sich aus einer schlechten Ehe, einer disfunktionalen Familie zu lösen, wenn jeder jeden kennt. Wenn man nicht einfach abtauchen kann in die Anonymität. Wenn man nicht nur in der Beziehung zu einem Mann, sondern auch in tausend Vertrickungen und Verpflichtungen gefngen ist, vom Geld her, von den Bindungen her: Der gemeinsame Grundbesitz. Der gemeinsame Betrieb, der Hof. Das Erbe. Der Schwiegervater, zu dessen Pflege man sich verpflichtet hat. Da kann man sich nicht so einfach ausklinken, abtauchen in der Anonymität, sich einen neuen Job und einen neuen Mann suchen, (nicht, dass das in der Großstadt immer ganz einfach wäre).

Alles das erzeugt Abhängigkeit. Alles das nimmt den Mut. Frauen wissen zwar, dass es so, wie es ist, nicht gu ist – dass es ihnen nicht gut tut, der Ehe nicht, den Kindern nicht, und ökonomisch ist es ebenfalls unvernünftig. Aber sie fühlen sich zu schwach, um etwas daran zu ändern. Sie sehen nicht, wie es anders gehen sollte – weil rundherum  ja alle ähnliche Problem haben und das ganz normal finden.

Wie kommen wir da raus? Dafür sind Sie da, mit Ihren Frauenberatungsstellen, und dafür bin ich hergekommen. Schauen wir mal, wo wir dem Mut dafür hernehmen.

Das wichtigste, ganz oft: Sind die Role Models. Menschen, die einem mit ihrem Leben zeigen, dass es auch anders geht. Dass es vielleicht irritierend ist, wenn man Konvention bricht, aber vielleicht doch nicht ganz so schlimm, wie man vermutet hätte. Und dass es dabei viel zu gewinnen gibt.

Natürlich gibt es heute Role Models mit unkonventionellen Lebensentwürfen zuhauf. Die sieht man in den Illustrierten. Die haben fünf Kinder und vier langhaarige Hunde, und leiten nebenher einen Konzern. Tagsüber machen die Telefonkonferenzen mit Hongkong, abends gehen sie auf schicke Seitenblicke-Parties, daneben haben sie noch ein paar knisternde Affären, und das Loft schaut immer aus wie direkt aus dem Einrichtungskatalog. Ja, die machen alles, und zwar alles mit links, die Kinder haben offenbar nie Bauchweh und nie Läuse, das fünfgängige Abendessen macht sich ganz von selbst, die Hund müssen niemals gacken, verlieren niemals Haare auf dem Sofa, und für die Figur müssen die offenbar auch überhaupt nix tun. Nein, das hilft uns nicht weiter.

Wir brauchen Role Models im Nachbarort. Wir brauchen realistische Vorbilder, und konkrete, machbare Ziele.

Erstens, ganz wichtig: Frauen müssen sich bewusst werden, dass es zur eigenständigen Erwerbsarbeit keine Alternative gibt. Nein, es gibt keine “Wahlfreiheit”; wie das manche so gern behaupten. Frauen können es sich nicht “aussuchen”. Es gibt keinen Plan B, und zwar wirklich nicht. Sich einen Mann angeln und von ihm versorgt zu werden ist kein Lebensentwurf, diese Idee gehört aus den Köpfen der Mädchen gelöscht. Auch jede staatliche Förderung dafür muss aufhören – Mitversicherung, Alleinverdienerförderung, Familiensplitting. Dauerhaft auf einen eigenen Beruf zu verzichten, vom Gehalt des Gatten abhängig zu sein, und an den Fortbestand seiner Ehe zu glauben, ist persönlich schön und sehr romantisch. Aber es ist fahrlässig, der eigenen Zukunft und den Kindern gegenüber. Und es ist ein hochriskantes Lebensmodell. Weil hier die Abhngigkeit, wenn sie scheifgeht, direkt in die Armut führt. Nach der Scheidung, oder spätestens im Alter.

Zweitens: ebenso wichtig: Wir brauchen eine Neuverteilung der Lohnarbeit. Und eine Neubverteilung der Zeit. “Eigenständige Verankerung in der Erwerbsarbeit” heißt nämlich nicht, dass jeder Mensch jahrzehntelang 50 Stunden die Woche arbeiten soll. Das hält keiner aus.

Wenn wir Gleichberechtigung wollen, müssen wir die Aufteilung in Haupternährer und Zuverdienerin aufbrechen. Jeder Mensch braucht Pausen, Auszeiten – auch Männer. Speziell wenn wir im Alter länger arbeiten sollen. Jeder Mensch braucht Teilzeitphasen – auch Männer, und nicht nur dann, wenn die Kinder klein sind, sondern über die gesamte Lebensarbeitszeit verteilt. Am angenehmsten werden 30-Stunden-Jobs-empfunden. Warum gibt es die kaum? 30 und 30 macht 60 Arbeitsstunden in der Woche. Warum kennen Sie so wenig Paare, die sich das so aufteilen – statt der üblichen 45 plus 15? Das ergbnis ist ebenfalls 60.

Eine solche Aufteilung täte allen gut – dem Arbeitgeber, dem nicht ständig Frauen samt ihrer Expertise abhandenkommen, wenn sie jahrelang in Karenz gehen. Dem auch nicht ständig Männer abhandenkommen, wegen Herzinfarkt oder wgene Burnout. Ist weniger riskant für eine Famlien – wenn einer den Job verliert, kann der andere einspringen. Ist ökonomisch sinvoller, weil beide ähnliche Gehaltsvorrückungen haben und die Schere in der Beziehung nicht auseinanderklafft.

Ist weniger riskant für die Beziehungen – weil man sich nicht völlig unverstanden fühlt, wenn der eine fertig von der Arbeit kommt, und der ander genervt von den hundertausend Dingen daheim. Schafft Abwechslung. Und tut den Kindern gut. Zwei gleichberechtigte Bezugspersonen. Und wenn trotz allem alles schiefgeht – auch im Trennungsfall einfacher, weil beide schon beides können.

Was tun, um dorthin zu kommen? Lieblingsprojekt: Vereinbarkeitsfrage radikal zur Männerfrage machen. Auf allen Ebenen, in der eigenen Beziehung, in der erweiterten Familie, im Betrieb, in der Schule, in der Nachbarschaft. Kann sehr lustig sein, und zweiteise mach ichs selber: Männer ansprechen – wie machst du das eigentlich mit dem Abholen um drei? Politiker fragen, ob denn ihre Kinder nicht zu kurz kommen, und ob sie sich denn das zutrauen. Personen des öffentlichen Lebens fragen, wie sie das denn schaffen (Niki Lauda: “Die Birgit macht das ganz wunderbar”). Ich bin es nämlich leid, diese Fragen ständig beantworten zu müssen, wie man “als Mutter” dies oder jenes tut. Viel interessanter, zu erfahren, wie man das “als Vater” macht!

Sehr spannend wird das in der Arbeitswelt. Aber genau dort ist es am wichtigsten, und dort muss man anfangen. Ist an der Zeit, dass sich männliche Arbeitnehmer und deren männliche Chefs geichberechtigt Gedanken machen über Vereinbarkeitsfragen. Heißt es: “Deine Frau kriegt ein Kind”, oder “ihr kriegt ein Kind”? Ein schlichtes “Gratuliere!” reicht jedenfalls nicht mehr. Die nächste Frage an einem Mann muss sein: Und, wie stellst du dir das vor? Wie lang bleibst du weg? Wie machen wir das nachher? Diese Frage muss Routine werden, damit sich die Zuständigkeit beider Geschlchter als Normalität in den Köpfen festsetzt. Und wir brauchen in der Öffentlichkeit Role Models, die uns das vorführen, von Ministern angefangen.

“Geht halt nicht anders” würde als Ausrede nicht mehr akzeptiert. Auch daheim in der Beziehung nicht. Geht es wirklich nicht anders? Wie lange haben wir drüber nachgedacht, was alles ginge?

Verinbarkeit zur Männerfrgae zu machen, wird ungeahnte Kreativität in den Betrieben freisetzen. Was wir dann erleben werden: Massive Änderungen in der Betriebskultur (Anwesenheitskult, Wochenendarbeit, späte Sitzungen am Abend). Werden sich neue Rituale und neue Hierarchien bilden, und man wird über andere Dinge sprechen der Kantine.

Wenn viele Männer in Teilzeit gehen, werden wir plötzlich erleben, dass man auch Führungspositionen sehr gut in Teilzeit leisten kann. Und wenn Männer sich Auszeiten nehmen, werden wir erleben, dass Auszeiten plötzlich nicht mehr als Aufstiegshindernis gesehen werden (“Die nimmt die Arbeit ja gar nicht ernst”), sondern, im Gegenteil als karrierefördernde Qualifikation (In der Auszeit erwirbt man Realitätsbezug, neue Blickwinkel, erschließt sich neue Dimensionen, lernt Mulititasking und at sein Verantwortungsbewusstsein bewiesen). Wir werden erleben, dass es plötzlich viel stärkeren Druck gibt, Kindergärten länger offen zu halten und in den Schulen ein warmes Mittagessen anzubieten. Und wir werdn erleben, wie die Wertschütung für die Arbeit der Pädagogen und Pädagoginnen dort steigt.

Männer werden viel gelobt werden in dieser Übergangszeit, für alle die neuen Erfahrungen, die sie auf dem Terrain der Vereinabrkeit machen. Mehr gelobt werden, als wir je gelobt worden sind (wir haben das bei den Karenzvätern bereits beobachten können).

Das ist natürlich unfair. Aber da müssen wir durch. Ich würd sogar sagen: Diesen kleinen Triumph müssen wir den Männern gönnen, auf dem Weg zu mehr Gleichberechtigung. So wie Frauen sich eine Zeitlang dafür haben loben lassen, dass sie sich in der Lohnarbeit “so toll” bewähren.

So, und dann müssten auch Frauen wirklich Farbe bekennen. Meinen sie es ernst damit, die Hälfte der Verantwortung für unentgeltliche Betreungsarbeit abzugeben? Und die Hälfte der ökonomischen Verantwortung zu schultern? Ich glaube Ja. Ich will es ganz fest glauben. Aber ganz sicher bin ich mir nicht, ob wir scho bereit dafür sind.

Denn es gibt sie ja tatäsächlich – und jetzt begebe ich mich auf dünnes Eis –  die Frauen, die sehr schnell sagen: “Klar trete ich kürzer, es geht halt nicht anders, sein Beruf ist ihm wichtiger als mir mein Beruf ist.” Vielleicht seufzen sie dabei und verdrehen die Augen, so als wollten sie sich über die Ungerechtigkeit der Welt beklagen. Aber ist sie womöglich insgeheim ganz froh über die sozial akzeptiere Option zum Ausstieg? Es gibt Frauen, die den Mann nur dann mit dem Kind alleinlassen, wenn sie vorher das Gewand zurehtgelegt und vorgekocht haben. Eigentlich eine unerträgliche evormundung. Ja, schon möglich, dass ihr nicht gefüllt, was er dem Kind anzieht – na und? Vielleicht gefällts dem Kind?

Auch in der aktuellen Obsorgedebatte sehe ich manchmal Zeichen dafür, dass wir noch nicht ganz bereit sind, wirklich zuzulassen, was halbe-halbe heißt. Ja, wir haben jetzt eine Gesetzesreform, die in die richtige Richtung geht. Aber man hätte die Gelegenheit nützen können, für eine noch weitergehende Bewusstseinsarbeit: Nämlich die halbe-halbe-Aufteilung von Versorgungsarbeit gleich als Norm festschreiben, und zwar schon in aufrechten Partnerschaften. Das würde auch Scheidungs- und Obsorgekonflikte deutlich entschärfen. Wenn beide Partner annähernd gleich viel verdient haben, muss man nicht um Unterhalt streiten. Wenn beide Partner eine annähernd gleich starke Beziehung zum Kind haben, werden sie diese auch weiterführen können, wenn sie miteinander keine Beziehung mehr haben. Dann wird auch echte gemeinsame Obsorge möglich – nämlich nicht nur im Sinn von “dreireden”, sondern im Sinn von tatsächlich sorgen, Zeit verbringen, Verantwortung übernehmen, Pflichten erfüllen.

Ja, um dorthin zu kommen, müssen auch Fruaen etwas loslassen: Das Gefühl, quasi automatisch besser zu wissen, was für ein Kind gut ist. Aber kann man das wirklich sagen: Dass eine Frau immer und in jedem Fall besser weiß als ein Mann, was für das Kind das richtige ist? Warum? Weil sie es geboren hat? Weil ihre Hormone ihre das sagen? Weil sie halt, quasi-natürlich, die geeignetere Bezugsperson ist?

Hier gleiten wir manchmal in einen femintistisch gefärbten Biologismus ab, den ich nicht für zielführend halte, und der uns behindert auf dem Weg zu richtiger Gleichberechtigung. Wir beanspruchen da eine Art “natürliche Zuständigkeit”, die sich normal anfühlt, aber bei genauem Nachdenken gar nicht normal ist.

Ich würd sagen, Es ist Zeit, auf gleich zu kommen. Männer und Frauen sind prinzipiell gleich gut geeignet, Geld zu verdienen und Kinder groß zu ziehen, die einen Menschen können das besser, die anderen jenes; aber fast alles kann man lernen. Überhaupt wars hilfreich, die Kategorien “Frau” und “Mann” abzuschaffen, radikal individualisieren, statt die Welt und den Arbeitmarkt und die Aufgaben in “Mars und “Venus” einzuteilen,  “männlich” und “weiblich”.  Weil wir uns halt doh einen Planeten teilen.

Wenn wir lernen, die “natürliche” Zuständigkeit abzugeben, fühlt sich das wie ein Verlust an. Aber er birgt auch ungeahnte Chancen, was man alles dabei gewinnen kann. Zeit für sich. Souveränität übers eigene Leben. Mut zur Veränderung.

Ich nehme an, das ist es, was SIe in Ihrer Arbeit tun, jeden Tag.

Ich gratuliere Ihnen dazu. Ich hoffe, Sie hatten in den vergangenen 5 Jahren auch manchmal Freude dabei. Und ich wünsche Ihnen, dass in ein paar Jahren nebenan eine Männerberatungsstelle aufsprrt, die sich mit exakt denselben Problemen auseinandersetzen muss wie Sie – dann hätten wir es nämlich geschafft mit der Gleichberechtigung.

 

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