Bücher bis Weihnachten kriegen wir hier wie dort noch rechtzeitig. In der Buchhandlung bekommen wir ums gleiche Geld aber noch etwas dazu.

Bücher bis Weihnachten? Ganz easy: auf die Amazon-Website, Enter-Taste, fertig. Amazon hat ein riesiges Logistik-Zentrum in der Mitte Deutschlands, viele Gabelstapler, viele LKWs, und viel Hilfe von staatlicher Seite. Zunächst subventionierte der Staat dort die Betriebsansiedlung. Er subventioniert die Personalkosten, indem er den Billigkräften die Löhne aufstockt.  Die Autobahnen, auf denen die Bücher kreuz und quer durchs Land fahren, baut er sowieso.

Easy für Amazon sind auch die Gesetze. Die verbieten Buchhändlern, ihr Geschäft aufzusperren, wann sie wollen; online hingegen erlauben sie alles. Buchhändler dürfen am Sonntag nicht arbeiten, Arbeiter im Logistikzentrum und Fahrer hingegen arbeiten immer. Sind eh großteils Saisonkräfte. Leiharbeiter. Oder selbstständige Subunternehmer. Ohne langfristige Verträge, ohne Verpflichtungen, alles ganz easy.

Da fällt für Amazon selbstverständlich Gewinn ab. Was prinzipiell schön ist. Denn dann fließen gewiss auch Steuern an den Staat zurück, quasi als Gegenleistung für die Subventionen und die die rundum angenehme Infrastruktur? Nein, das nicht. Amazon macht in Deutschland und Österreich zwar gut Kasse, aber Steuern zahlt es hier keine. Die zahlt es in Luxemburg, und zwar drei Prozent. So ist das bei globalen Konzernen. Die können sich aussuchen, wo und wie viel sie Steuern zahlen, alles ganz legal.

Die Buchhandlung ums Eck kann sich das nicht aussuchen. Sie versteuert ihren Gewinn zur Gänze in Österreich. Hier packen keine Leiharbeitskräfte die Kisten aus, sondern der Chef oder die Chefin persönlich, in der Mittagspause oder abends. Eine Buchhandlung bildet Lehrlinge aus. Sie zahlt Miete an einen Hausherrn. Sie hat eine Auslage. Sie belebt die Straße, in der sie sich befindet. Sie bietet einen geheizten Raum zum Reden. Wenn die Heizung kaputt ist, beschäftigt sie den Installateur von gegenüber. Man kann das einen kulturellen und sozialen Mehrwert nennen.

Was den Preis betrifft, gibt es für uns keinen Unterschied. Egal ob wir Bestseller kaufen oder estnische Gedichtbände: Das Buch in der Buchhandlung kostet – wegen der Buchpreisbindung – exakt gleich viel wie bei Amazon. Angebot und Auswahl gleichen sich ebenso: Jeder Buchhändler kann jedes lieferbare Buch jederzeit bestellen, in ein paar Tagen ist es da.  Sogar wer partout um drei Uhr früh einkaufen will, mit einem gebrochenen Bein im Bett liegt oder in der Einschicht lebt, hat zu Amazon Alternativen: Mehrere Buchhandlungen bieten mittlerweile Online-Bestellung und Versand an; sogar portofrei.

Wir Konsumentinnen und Konsumenten können es uns also aussuchen. Wir haben es in der Hand, wem wir unser Geld geben, wo wir Steuern hinlenken, und welche Infrastruktur unser Dorf, unser Stadtviertel, unsere Straße mittelfristig haben. Wir können das Kleinunternehmen im Erdgeschoß unseres Hauses unterstützen, oder eine anonyme Firmenkonstruktion in Luxemburg. Wir können unser Buch selber nach Hause tragen – sofort! Oder es uns von einem abgehetzten, ausgebeuteten Paketboten irgendwann an die Türschwelle liefern lassen; vorausgesetzt freilich, wir sind genau zur richtigen Zeit daheim.

Bloß eines dürfen wir nicht: Vom Buchhändler im Erdgeschoß erwarten, dass er so nett ist, unsere Amazon-Packerln entgegenzunehmen. Und uns später wundern, wenn er zusperrt.

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