73 Millionen Jugendliche auf der Welt suchen vergeblich einen Job. Nicht nur psychologisch, sondern auch sozial hat das verheerende Folgen.

Presse-Kolumne

Du musst in die Schule gehen, damit du etwas lernst. Lernen ist das Wichtigste im Leben. Je mehr du dich anstrengst, desto besser wird der Job sein, den du später findest.  Arbeit heißt: Geld verdienen. Mit Geld kannst du von daheim ausziehen, dir aussuchen, mit wem du zusammenleben willst, was du isst, wann du schlafengehst. Dann redet dir niemand mehr drein. Ober du lieber Gewand kaufst, oder lieber auf Urlaub fährst – deine Entscheidung. Geht deine Eltern nix mehr an. So gesehen, heißt Arbeit Freiheit. Das ist doch ein Ziel, für das es sich zu lernen lohnt?

Natürlich geht es nicht nur um Geld. Es geht auch um Erfahrungen. Du wagst dich beim Arbeiten in ein neues Gebiet vor. Du setzt dein Wissen und deine Talente dem Praxistest aus, du merkst, was du besser kannst als andere. So lernt man sich selber kennen. So wird man jemand. Schärft seine Persönlichkeit, und kommt drauf, was man eigentlich will. Und irgendwann dann, schneller als du glaubst, wirst du Ergebnisse sehen. Wenn dein erstes Werkstück fertig ist. Wenn du ein kniffliges Problem gelöst hast, an dem sich andere vor dir die Zähne ausgebissen haben. Wenn du eine Idee für eine kleine Veränderung hast, mit der plötzlich alles viel leichter von der Hand geht. Wenn ein Kunde freudestrahlend dein Geschäft verlässst. Wenn sich ein Patient bedankt. In diesen Momenten wirst du merken, dass Arbeit Freude macht.

Die soziale Seite darfst du ebenfalls nicht vergessen. Beim Arbeiten lernst du neue Menschen kennen. Die hast du dir nicht ausgesucht, aber euch verbindet etwas – ähnliche Interessen, ähnliche Fähigkeiten, ein ähnlicher Tagesrhythmus. Mit diesen Menschen wirst du viel Zeit verbringen, da lässt es sich gar nicht vermeiden, dass man sich aneinander gewöhnt, voneinander lernt. Wahrscheinlich findest du dabei Freunde. Vielleicht verliebst du dich sogar.

Du siehst: Arbeit ist wichtig. Arbeit macht vieles andere erst möglich. Arbeit ist der Anker, der dich im Erwachsenenleben festmacht. Nützlich sein, gebraucht werden, etwas leisten, das für jemand anderen einen Wert hat: das ist ein befriedigendes Gefühl. Arbeit macht dich zu einem Rädchen im Getriebe, macht dich zum Teil eines größeren Ganzen, von etwas, das man „Gesellschaft“ oder „Markt“ oder „System“ nennt, je nach Weltanschauung.

Ohne Arbeit wirst du dir schwer tun, diesen Platz zu finden. Wer nicht arbeitet, muss von Almosen leben – vom Staat, von den Eltern, von Wohltätern. So bleibt man abhängig, fremdbestimmt. So schlingert man durchs Leben, von einem Tag in den anderen. Man kann keine Pläne machen, man schlägt die Zeit tot, der Frust wächst, man fühlt sich abgelehnt, ungewollt, unsicher. Man muss schon sehr stabil sein, um so einen Zustand auf Dauer auszuhalten. Wenn du sensibel bist, kann das in Depression umschlagen. In Wut. Vielleicht schlägst du dann zu. Oder fängst zu trinken an.

Du hast also hoffentlich verstanden, wie wichtig Arbeit für dich ist. Das Problem ist bloß: Wir haben keine für dich, nichts, nada, und wir haben auch keine Ahnung, was du tun könntest, um eine zu finden. Mit Lernen, Anstrengung, Leistung oder Talent wirst du jedenfalls nicht weit kommen, soviel ist sicher, und nicht einmal besonderer Mut, Optimismus oder ein sonniges Lächeln werden viel nützen.

Blöd gelaufen. Der einzige Trost, den wir bieten können, ist: Du bist nicht allein. Es gibt 73 Millionen arbeitslose Jugendliche auf der Welt.

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