Wer kommt durch an den Universitäten, die angeblich allen offen stehen? Natürlich nicht alle. Doch die Auswahl derzeit ist willkürlich, unlogisch und unsozial.

Presse-Kolumne

Angenommen, es gibt Gratiswürstl für alle. Zumindest steht das so auf einem großen, bunten Werbeschild. Nichts wie hin. Sobald man näher kommt, merkt man jedoch, dass etwas nicht stimmt. Rund um die Würstlbude drängen sich Menschen, einige gestikulieren noch wütend, die meisten jeoch haben dem Ort schon den Rücken gekehrt und ziehen enttäuscht ab. Der Würstlmann hat nämlich bloß zwanzig Paar Würstl mitgebracht. Die kriegt, wer anfangs zufällig am nächsten stand, wer am schnellsten laufen konnte, oder wer beim Einsatz seiner Ellbogen am skrupelosesten war. Alle anderen gehen leer aus.

Hat der Würstlmann die Leute betrogen? Nicht direkt. Er hat Gratiswürstl versprochen, Gratiswürstl hat er auch verteilt. Dass er zu wenig mitgebracht hat, kann man ihm nicht zum Vorwurf machen; er gibt eh alle Würstl her, die er hat, mehr als zwanzig kann er sich halt nicht leisten, und niemand kann ernsthaft verlangen, dass er täglich abertausende verschenkt, oder?

Dennoch trägt der Würstlmann Schuld am Murks. Er hat sich den denkbar dümmsten Verteilungsmodus ausgedacht, und damit mutwillig schlechte Stimmung erzeugt. Seine Würstl haben weder die Hungrigsten nocht die Ärmsten gegessen. Er selbst fühlt sich sinnlos erschöpft. Und sind wenigstens jene zwanzig Leute froh, die ein Würstl ergattert haben? Nicht einmal das. Es war für sie ziemlich mühsam, sich durchzukämpfen – und, wenn sie ehrlich sind, auch eher erniedrigend. Nächstes mal, denken sie, zahl ich lieber zwei Euro für mein Würstl – werde dafür anständig bedient, kann in Ruhe essen, und krieg noch eine Serviette dazu.

So ähnlich wie der Würstlmann verhält sich die österreichische Hochschulpolitik. Speziell jene der SPÖ, die gebetsmühlenartig den „freien Hochschulzugang“ verteidigt, der in Wirklichkeit längst kein freier Zugang mehr ist. Denn selbstverständlich gibt es auf den Unis keine unbegrenzten Kapazitäten für alle. Selbstverständlich ist kein Studium richtig gratis. Und selbstverständlich wird die Zahl jener, die ein bestimmtes Fach ernsthaft studieren und abschließen können, von oben begrenzt. Nur geschieht die Auswahl derzeit nach den denkbar unfairsten, unlogischsten und entwürdigendsten Kriterien.

Wer hält denn durch, wer kommt ans Ziel, wenn Massen junger Menschen losgeschickt werden, um sich gleichzeitig durch eine schmale Tür zu zwängen? Bei der Online-Anmeldung für Vorlesungen kann man sich mit Computertricks vielleicht ein paar Sekunden Vorsprung sichern. Bei überbelegten Hörsälen braucht man penibel durchdachte Platzbelegungsstategien. Ohnehin ist in Massenveranstaltungen die Leistungsbeurteilung nur noch mit Multiple-Choice-Tests möglich. Die Techniken, um dabei gut abzuschneiden, kann man perfektionieren. Aber was sagt das darüber aus, was man als Lehrer taugt, als Ärztin oder als Architekt?

Generell gilt: Je länger die Warteschlangen, desto schneller geben jene auf, die mit ihrer Zeit Sinnvolleres anzufangen wissen, als sie in Warteschlangen zu vertrödeln. Die andere Interessen haben. Oder Kinder. Die arbeiten müssen, um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Oder arbeiten wollen, weil sie mitten im Leben stehen. Die anders denken, anders funktionieren, als im standardisierten Windkanal vorgesehen.

Solche Menschen werden beim Wettlauf um Gratiswürstl immer leer ausgehen. Beim Revierkampf um den „freien Hochschulzugang“ ebenfalls. Schade, eigentlich.

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