Es gibt Fragen, auf die es von Politikern nur langweilige, irrelevante oder unehrliche Antworten geben kann. Hier eine Hitliste der allerunnötigsten.

Presse-Kolumne

Was glauben Sie, wie wird Ihre Partei abschneiden? Was glauben Sie, wie wird die Partei xy abschneiden? Warum glauben Sie, dass sie so und nicht anders abschneiden wird?

Wollen Sie die Wahl gewinnen? Wenn Sie die Wahl nicht gewinnen, ist das dann eine Niederlage? Was ist Ihr Wahlziel, in Prozentpunkten? Bei welchem Prozentsatz sagen Sie, es ist ein Sieg? Bei welchem Prozentsatz beginnt eine Niederlage? Wo beginnt für Sie das Debakel? Warum legen Sie sich da so genau fest? Warum legen Sie sich da nicht fest?

Was, wenn Sie Ihr Ziel nicht erreichen? Sind Sie dann gescheitert? Treten Sie dann zurück? Können Sie ausschließen, dass Sie dann zurücktreten? Was, wenn Sie dann nicht zurücktreten? Was würden Ihre Gegner/Ihre Parteifreunde/Ihre Gegner in der Partei sagen, wenn Sie nicht zurücktreten? Was antworten Sie denen dann?

Wenn Sie gewinnen – mit wem wollen Sie regieren? Wird der Minister nach der Wahl auch noch xy heißen? Halten Sie es für möglich? Schließen Sie es aus? Warum halten Sie es für möglich? Warum schließen Sie es nicht aus? Wie wird das bei den Wählern/Ihren Parteifreunden/ihren Gegnern ankommen, wenn Sie das nicht ausschließen?

Welche Koalition wird es nach der Wahl geben? Wird sich das ausgehen? Wie wahrscheinlich ist, dass es sich ausgeht? Was, wenn es sich nicht ausgeht? Ist xy ein möglicher Koalitionspartner? Können Sie xy als Koalitionspartner ausschließen? Aber vor sechs Monaten haben Sie noch gesagt, Sie könnten xy nicht ausschließen!

Überhaupt: Sie haben xyz gesagt. Warum haben Sie xyz gesagt, und nicht stattdessen abc? Sie hätten xyz auch anders sagen können, warum haben Sie das nicht getan? Verstehen Sie, warum die anderen Sie so verstanden haben und nicht anders? Haben Sie geahnt, wie man Sie verstehen würde? Wenn Sie geahnt hätten, wie man Sie verstehen würde, hätten Sie es dann dennoch gesagt?

Was ergibt das jetzt für eine Optik? Verstehen Sie, warum das eine schlechte Optik erzeugt?

Was sagen Ihre Gegner/Ihre Parteifreunde/Ihre Gegner in der eigenen Partei eigentlich dazu? Was sagen die Medien dazu? Warum sagen Ihre Gegner/Ihre Freunde/die Medien genau das, und nicht etwas anderes? Können Sie sich das erklären? Können Sie das Ihren Wählern erklären?

Wird Ihnen das, was Sie gesagt/getan haben, schaden oder nützen? Warum wird es Ihnen schaden/nützen? Wie wird sich, was Sie gesagt/getan haben, in den Meinungsumfragen niederschlagen? Und was sagen Sie zu den Meinungsumfragen, die zeigen, dass das, was Sie gesagt haben, Ihnen schaden/nützen wird?

Apropos – Was sagen Sie überhaupt generell zu den Meinungsumfragen? Die Meinungsumfragen sehen Sie derzeit ja nur bei xy Prozent. Warum? Liegt das an Ihnen? Liegt es an etwas anderem? Und wenn Sie nicht wissen, woran es liegt – ergibt das nicht schon wieder eine schlechte Optik?

Was Sie sagen/tun, wirkt immer so …… Warum wirkt es so? Habe Sie keine Meinung dazu, warum es so wirkt? Darüber müssen Sie sich doch Gedanken machen!

In sechs Monaten – werden Sie da noch Kanzler/Vizekanzler/Ministerin/Oppositionschefin/Klubchef sein? Was werden Sie stattdessen sein? Was würden Sie lieber sein? Streben Sie das an? Und was werden Ihre Gegner/Ihre Parteifreunde/Ihre Gegner in der Partei dazu sagen?

Werden Sie das alles schaffen? Sind Sie optimistisch? Warum sind sie optimistisch? Warum sind Sie nicht optimistisch? Und warum frag ich Sie das eigentlich alles?

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