Die Entscheidung, welche Schule für ein Kind die richtige ist, ist schwer. Aber gar so schwer, wie manche Eltern tun, ist sie auch wieder nicht.

presse-kolumne

Nein, dieser Moment lässt niemanden kalt: Wenn man, ein stolzes fünfjähriges Kind an der Hand,  erstmals durchs Tor der Volksschule geht, hinauf in die Direktion, um das Kind für den Herbst in der ersten Klasse anzumelden. Diese und nächste Woche gehen in Wien 16.000 Kinder samt Eltern diesen Weg. Denn es ist Schuleinschreibung.

Welche Schule solls denn sein? Gut, wenn sich diese Frage erst gar nicht stellt. In Dörfern etwa, wo es nur ein einzige Schule (womöglich gar mit nur einer Klasse) gibt.  Doch je mehr Wahlmöglichkeiten, desto größer wird die Unsicherheit.  Ist die Schule ums Eck gut genug? Wenn ja – warum fahren dann Max und Sophie durch die halbe Stadt woandershin? Öffentlich oder privat, katholisch oder alternativ? Mehrstufenklasse, mehrsprachig, mit oder ohne Noten? Aber ob das für mein Kind, das selbstverständlich ein ganz besonderes Kind ist, tatsächlich passt?

Der Stress ist vielen Eltern anzusehen, und es ist kein schöner Anblick. Bei manchen setzt er schon bald nach der Geburt ein, spätestens ab dem Kindergartenalter entkommt man den hitzigen Debatten auf den Spielplatzbänken kaum noch. Ob die Schule X so gut ist wie ihr Ruf? Was wohl die neue Direktorin taugt? Schule Y hat ein tolles Gebäude, doch die vielen dicke, lauten Kinder dort, umhimmelswillen! Ob man bei Z reinkommt, ohne Beziehungen?

So viel Selbstquälerei ist meistens überflüssig. Aus mehreren Gründen:

1. Die ideale Schule gibt es nicht. Irgendein Problem gibt es sicher. Doch was sich später als Problem herausstellen wird, weiß man vorher selten. Und was man vorher für ein Problem hält, ist später oft gar keins.  Manches erweist sich sogar als Segen.

2. Wichtig ist die Lehrerin, der Lehrer. Aber ob der/die passt, kann man im vorhinein kaum abschätzen. Wer den Eltern gefällt, gefällt nicht zwangsläufig dem Kind. Die Eltern finden ihn oder sie schrecklich (zu spießig/zu chaotisch /zu alt/zu jung), das Kind liebt ihn oder sie heiß. Oder umgekehrt.

3. Wichtig ist die Gruppendynamik in der Klasse. Aber auch die lässt sich nicht vorhersehen. Es ist ein Irrtum zu glauben, man könne „Problemkinder“ auf den ersten Blick erkennen – an ihrem Namen, ihrem Aussehen, an ihrer sozialen Herkunft. Man kann auch nie ausschließen, dass sich das eigene als solches entpuppt.

4. Zu viel Homogenität ist nicht gut. Zwar ist es eine Art Naturgesetz, dass sich Eltern zu ähnlichen anderen Eltern hingezogen fühlen: Fußballfans zu Fuballfans, Adelige zu Adeligen, Hippies zu Hippies. Man schmiegt sich an seinesgleichen, weil man sich da geborgen fühlt. Die gute Nachricht: Kindern ist das völlig egal. Die suchen sich ihre Freunde gottseidank nach anderen Kriterien aus (wobei Eltern noch etwas lernen können).

5. Die Volksschule ist eine echte Gesamtschule; ein Ort, an dem alle Gesellschaftsschichten zusammenkommen, arme und reiche, bildungsnahe und bildungsferne, privilegierte und marginalisierte. Genau das ist eine Chance, die man kaum irgendwo sont bekommt  – und offensiv nützen sollte. Zu erfahren, wie Menschen in den unterschiedlichsten Milieus leben, ist für Kinder wichtig. Charakterlich sowieso. Und man weiß nie, wofür dieses Wissen später, im Beruf, in Beziehungen, vielleicht nützlich ist.

6. Wichtiger als vieles andere ist, dass die Schule nah ist. Kinder brauchen einen Schulweg, den sie auch allein gehen können und wo sie unbeobachtet sind – das bringt Autonomie. Sie brauchen Freunde in der Nähe, die sie spontan besuchen können. Eine nahe Schule hilft einem Kind, unabhängig von den Eltern ein eigenes Beziehungsnetz aufzubauen, und verankert es in seiner Nachbarschaft.

Soll heißen: Lassen Sie den Zufall ein bisschen mitspielen. Geben Sie der Schule ums Eck eine Chance. Machen Sie sich Gedanken, aber machen Sie sich nicht allzu viele. Ihr Kind kriegt das schon hin.

Getagged mit
 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.