Oberösterreichs neue Regierung führt den Muslimen ihres Landes vor, wie die Gleichstellung der Geschlechter funktioniert. Wenn das nur gut geht.

presse-Kolumne

Ausländer, Migranten, Flüchtlinge!
Wir werden euch jetzt etwas Wichtiges erklären. Nämlich: wie wir uns das vorstellen mit der Integration, hier bei uns in Oberösterreich. Integration bedeutet: Ihr werdet so wie wir, inklusive aller unserer Eigenheiten. Hört also gut zu (falls ihr deutsch versteht). Schreibt am besten mit (falls ihr schreiben könnt): Wir bekennen uns zur europäischen Geschichte und Kultur im Sinne einer aufgeklärten christlich-abendländischen Werteordnung als Fundament unserer Gesellschaft. Zuwanderer aus fremden Kulturkreisen müssen diese demokratischen und rechtsstaatlichen Prinzipien unserer Verfassung akzeptieren.
Alles klar soweit? Ok, dann machen wirs konkreter: Intolerantes Verhalten gegenüber unserer Lebensart und Kultur, der Gleichstellung von Mann und Frau und gegenüber der in Österreich gelebten Religions- und Meinungsfreiheit ist inakzeptabel. Mangelnder Respekt bis hin zur Herabwürdigung von Frauen, vor allem in Bezug auf deren berufliche Position – Polizistinnen, Ärztinnen, Lehrerinnnen, Kindergärtnerinnen u.a – kann nicht toleriert werden.
Habt ihrs kapiert? Die Gleichstellung von Mann und Frau gehört zur oberösterreichischen Leitkultur, wie Blasmusik, Feuerwehrfeste und Most-Trinken, und wir werden sie euch mit Nachdruck einbläuen. Um das Verständnis für unsere aufgeklärte christlich-abendländische Gesellschaft frühzeitig zu fördern, sind heimische Traditionen und Kultur in die diversen Integrationsmaßnahmen einzubeziehen. Die oberösterreichische Brauchtumspflege ist insbesondere in Kinderbetreuungseinrichtungen und Bildungsanstalten zu vermitteln.
Wir können nämlich gar nicht anders. Die Gleichberechtigung der Geschlechter ist uns quasi in die kulturelle DNA eingeschrieben. Bei den ÖVPlern liegt es vielleicht an der katholischen Prägung, bei FPlern vielleicht an der Nähe zu den Burschenschaften. Morgens beim Zähneputzen jedenfalls fragt sich der Oberösterreicher schon: Was kann ich heute wieder tun, um die Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen zu verringern? Abends versammelt sich die Familie im Herrgottswinkel und übt gemeinsam den neuen Text der Bundeshymne. Bis in die Träume verfolgt den Oberösterreicher die Sorge: Hab ich mein Gender-Soll für diese Woche schon erfüllt? Was ist mein persönlicher Beitrag, um Frauen jenen Anteil von Macht, Geld und Einfluss zu verschaffen, der ihnen gerechterweise zusteht?
Ihr Ausländer könnt euch das gar nicht vorstellen, gell? Weil bei euch daheim, in Arabien oder in der Türkei, gehts schon noch anders zu. Machos, wohin man schaut, dort unten! Die Frauen lässt man schuften, manchmal lässt man sie sogar wählen, aber wenn’s ans Anschaffen geht, teilen sich die Männer einfach alles untereinander auf, wie vor hundert Jahren. Ein Wahnsinn! So unzivilisiert! So rückständig! Dass die Frauen sich das gefallen lassen! Und dass ihr dabei ruhig zuschauen könnt!
Wir hingegen ließen so etwas nie und nimmer durchgehen. Bei uns in Oberösterreich geht es – immer! aussschließlich! – um Leistung und Qualifikation. Mangelnder Respekt bis hin zur Herabwürdigung von Frauen, vor allem in Bezug auf deren berufliche Position, kann nicht toleriert werden – das gilt doch auch für Politikerinnen und ihre Arbeit!
Wehe also, einer von euch käme, nur zum Beispiel, auf die perverse Idee, ausschließlich von Männern regiert werden zu wollen. Nicht einmal laut denken dürftet ihr so etwas, hier bei uns! Dann würden wir euch unser Regierungsprogramm um die Ohren hauen: Mangelnder Integrationswille darf nicht ohne Folgen bleiben, steht da. Die Leistungen würden wir euch kürzen, zur Strafe! In Umerziehungskurse würden wir euch schicken!
Oder, noch besser: Geht doch einfach fort. In ein Land, wo Männer allein regieren. Dort gefällts euch sicher. Dort wärt ihr mit eurem Weltbild willkommen. Dort gehört ihr hin.

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One Response to Einwanderer aufgepasst: So geht Gleichberechtigung!

  1. Sg. Frau Hamann,

    ein wunderbar ironisch gehaltener Beitrag, stimmig bis auf den letzten Punkt. Meine Hochachtung

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