Die Herrschaft des Mannes über die Frau, samt all ihrer Rechtfertigungen: Was für eine grausame, zerstörerische, menschenfeindliche Ideologie das ist!

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Zur Frau sagt das Patriarchat: Du musst rein sein, sittsam und brav. Was rein, sittsam und brav genau bedeutet, bestimme ich. Du sollst genau einem Mann im Leben gehören, nicht mehr. Das ist wichtig, damit du nicht vergleichen kannst. Damit du gar nicht erst auf die Idee kommst, du könntest mit einem anderen Mann (oder ohne Mann, oder mit einer Frau) glücklicher sein. Wenn dein Mann dich erwählt hat, sei dankbar und folge ihm. Tu, was er sagt. Du musst wissen: Ein Mann ist, wie er ist. Seine Natur kann er nicht ändern. Ein Mann hat nun mal andere Bedürfnisse als eine Frau. Lass ihn also. Je eher du dich dieser Erkenntnis fügst, desto besser für dich. Wirst du eigensinnig, wird es gefährlich. Sag dann nicht, wir hätten dich nicht gewarnt.

Zum Mann sagt das Patriarchat: Du musst stark sein, sonst bist du kein richtiger Mann. Du musst zeigen, wer der Herr im Haus ist. Du musst immer alles unter Kontrolle haben. Wenn du das nicht kannst, wenn du Schwäche zeigst, oder Verletzbarkeit, oder Schmerz, oder zugibst, dass du nicht mehr weiterweißt, dann bist du ein Schlappschwanz. Ein Mann weint nicht. Ein Mann gibt nie auf. Ein Mann kann zwar sportliche Niederlagen einstecken, nicht aber, von einer Frau überflügelt, betrogen oder verlassen zu werden. Das ist die ultimative Demütigung. Damit verlierst du deine Ehre. Kein anderer Mann kann dich mehr ernst nehmen, wenn deine eigene Frau keinen Respekt vor dir hat. Lass dir also bloß nicht auf der Nase herumtanzen! Du musst Aufsässigkeit im Keim ersticken. Ihr immer zeigen, wer der Chef ist. Wenn sie’s anders nicht kapieren will, dann notfalls mit Gewalt.

Das muss so sein, sagt das Patriarchat. Das war schon immer so. Das ist normal. Das ist die Natur. Das ist die von Gott gegebene Ordnung. Gegen Gott und Natur kann man sich nicht auflehnen. In vielen Ländern gibt es deswegen staatliche Gesetze, die das Patriarchat stützen: Der Mann bestimmt den Aufenthaltsort der Familie. Der Mann ist der rechtliche Vormund seiner Ehefrau und entscheidet, ob sie arbeiten, reisen oder sich etwas kaufen darf. Die Frau darf nicht ehebrechen, und wenn doch, wird sie gesteinigt oder für vogelfrei erklärt. In Ländern, wo das staatliche Gesetz das Patriarchat nicht mehr stützt, übernehmen andere Mächtige diese Rolle gern: Fürsten, Mullahs, Clanchefs, Bürgermeister, religiöse Autoritäten, Polizei. Ein zorniger Mann, der seine Frau bestrafen will, kann sich auf diese Autoritäten berufen. Damit fühlt sich sein Zorn gleich viel gerechter an.

„Du gehörst mir“, sagt der Mann zur Frau dann. „Ohne mich bist du nichts“. „Ohne mich kannst du nicht leben“. Oder: „Wenn ich dich nicht haben kann, soll dich auch kein anderer haben dürfen.“ Und sticht zu.

Kein Wunder, sagt das Patriarchat nachher: Die Frau hat ihr Unglück selbst heraufbeschworen. Denn sie ist es ja, die die Regeln verletzt hat! Die sich aufgelehnt hat gegen Sitte und Tradition, gegen die natürliche, göttliche oder was-auch-immer-Ordnung, da muss sie doch wissen, dass es Konsequenzen gibt. Sie hat ihn eifersüchtig gemacht! Sie ist eine Schlampe! Damit hat sie hat ihn quasi zu seiner Tat gezwungen. Ein Mann hat ja manchmal keine Wahl. Er kann nicht anders. Das Patrarchat sagt: Er musste es tun.

Was für eine zerstörerische, grausame Herrschaftsideologie das Patriarchat doch ist. Wie verheerend die emotionalen Verwüstungen sind, die es anrichtet in der Gefühlswelt all jener, die in seinen Fängen heranwachsen müssen – Burschen genauso wie Mädchen. Und wieviel Mut es vom einzelnen Menschen verlangt, dieses perfide Unterdrückungssystem zu durchschauen und sich dagegen aufzulehnen, in vielen Weltgegenden unter Einsatz des eigenen Lebens.

Danke daher an die Feministinnen und Feministen überall, die den wichtigen Kampf gegen das Patriarchat seit Jahrhunderten anführen. Sie machen die Welt besser und sicherer für uns alle.

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